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Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik · 1931-01-01 · 3 (1931) · page 162

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Journal
Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
Volume
3 (1931)
Date
1931-01-01
Page
– (sequence 162)
Language
German
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IRI
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Landstraßen anders. Die Halskrause machte die Juden von weitem kenntlich, sie lockte Landstreicher und Gesindel förmlich an. Es kam zu Überfällen, die Juden wurden beraubt, mißhandelt, nicht am wenigsten von den Soldaten. Unter diesen Überfällen hatten nicht nur die Juden auf dem Lande, sondern auch die von Prag zu leiden, weil ein großer Teil von ihnen seine Nahrung auf dem Lande suchen mußte. Wenn wir in der Folge dennoch nur von den Beschwerden der „böhmischen Landesjudenschaft", nicht aber von den der Prager Judengemeinde hören werden, so ist dies den damaligen Verhältnissen dieser Gemeinde zuzuschreiben. Sie hatte einerseits einen hartnäckigen Kampf um ihre Existenz, um ihr Verbleiben in der Prager Judenstadt zu führen, andererseits trugen die inneren Zerwürfnisse und Streitigkeiten in der Gemeinde dazu bei, diese neue Quälerei und Verfolgung wortlos hinzunehmen. Dagegen hatte die Landesjudenschaft in der Persönlichkeit ihres Primators Abraham Aron Lichtenstadt35) einen Mann, der seit zwanzig Jahren unerschrocken gegen jede Schmälerung der Rechte seiner Glaubensgenossen erfolgreich aufgetreten ist. Abraham Aron unternahm auch im Feber eine Reise nach Wien, um die Aufhebung oder Milderung der neuen Verfügung zu erwirken. Am 24. März 1692 gab der Primator Abraham Aron bei der Statthalterei eine Beschwerde gegen die täglich sich häufenden Gewalttaten ein. Als aber die Ausschreitungen trotz der strengen Erlässe der Statthalterei immer gefährlichere Formen annahmen, brachte die Landesjudenschaft am 26. Juni 1692 beim Kaiser ein Bittgesuch ein. Sie schildern darin die Überfälle, Nachteile und die verzweifelte Lage der Landjuden, die durch die große Krause, die sie „anstatt der Überschläge und Halstücher" tragen, entstanden seien, sie verweisen darauf, daß das zu dieser Verordnung Anlaß gegebene Verbrechen nicht von einem Land-, vielmehr Prager Juden verübt worden sei und bitten den Kaiser, die ergangene Verordnung dahin abzuändern, daß die Landjuden nur in den vor den Überfällen gesicherten Prager Städten ein« Kröse zu tragen verpflichtet, auf dem Lande jedoch davon befreit seien. Damit aber jeder Landjude ausweisen könne, daß er „ehrlich seiner Nahrung nachgeht", schlagen die Delegierten die Einführung eines von der Schutzherrschaft ausgestellten Passes vor, den jeder Jude bei sich haben müßte. Als darauf keine Antwort erfolgte, reichte die Landesjudenschaft am 29. Juli 1692 eine zweite Bittschrift beim Kaiser ein. Die Unsicherheit des Reisems hemmte die ganze Handelstätigkeit der Juden, sodaß selbst der berühmte kaiserliche Hoffaktor in Wien, Samuel Oppenheimer,36) in seinen Heereslieferungen schwer behindert wurde. Samuel Oppenheimer trat nun am 29. Juni 1692 in einem 157

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