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Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik · 1931-01-01 · 3 (1931) · page 147

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Journal
Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
Volume
3 (1931)
Date
1931-01-01
Page
– (sequence 147)
Language
German
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17) „Es waren brave Menschen, dieser Halban und Lipiner!", so berichtet Machar. „Und was haben sie den Tschechen in selbstloser Weise nicht alles geleistet! Sie verschafften tschechischen Dichtern im Ministerium Stipendien, setzten sich für Vrchlickys Professur ein, kümmerten sich um die persönlichen Angelegenheiten tschechischer Professoren, kurzum sie förderten jede tschechische Sache in Wien, wie sie nur konnten." Als Halban erfuhr, wie schlecht bezahlt Machar in der Bodenkreditanstalt war, bot er ihm eine Stelle in der Parlamentsbibliothek bei Lipiner an. Machar war einverstanden, alles wäre in bester Ordnung gewesen, wenn — jungtschechische Abgeordnete seine Ernennung nicht hintertrieben hätten. — Eine Tat rechnete Machar dem Dr. Lipiner hoch an: vierzehn Jahre wartete Prof. Masaryk vergebens auf seine Ernennung zum ordentlichen Professor. Klerikale Kreise wußten diese immer zu verhindern, bis Unterrichtsminister Gautsch dem unmöglichen Zustand ein Ende machte. Einst wurde Machar dringend zu Lipiner berufen. Dieser eröffnete ihm, daß der Prager Erzbischof wieder einmal versuche, Masaryks Ernennung beim Kaiser zu hintertreiben, indem er ihn als Nihilisten, Jugendverführer, Selbstmordprediger usw. hinstelle. Lipiner sei vom Minister Gautsch beauftragt worden, ehestens ein Gutachten für den Kaiser auszuarbeiten und dazu habe er sich Machars Hilfe erbeten. Von vier Uhr nachmittags bis nach Mitternacht arbeiteten beide, um die Anschuldigungen des Erzbischofs durch Zitate aus Masaryks Schriften zu widerlegen. Schon am nächsten Tage ging das Elaborat zu Gautsch und von ihm zum Kaiser. Als Erzbischof Schönborn in Audienz erschien und neuerdings dem Kaiser seine Anschuldigungen vortrug, soll ihn dieser mit den Worten unterbrochen haben: „Eminenz, ich bin besser informiert als Sie/4 Und er bestätigte Masaryks Ernennung zum ordentlichen Professor. 18) Ich verweise auf mein Buch, wo Machars Äußerungen über die genannten Personen ausführlich behandelt werden. 19) Deutsch von Ernst M a n d 1 e r (Böhmische Edition Wien-Prag-Leipzig 1919). 20) Das Buch ist nicht etwa antisemitisch, sondern antichristlich. Es enthält einen von Machar auch an anderen Stellen seines Werkes (z. B. „Rom", „Antike und Christentum") ausgesprochenen Gedanken, daß Rom so lange gesund, stark und im Aufstieg begriffen war, als es vom Glanz der hellenischen Sonne bestrahlt wurde, den veredelnden Einfluß des Griechentums auf sich wirken ließ. Mit dem allmählichen Eindringen des Christentums, dieses „Giftes aus Judäa", begann auch der physische und moralische Verfall des Riesenreiches. 21) Deutsch von Paul E i s n e r („Das jüdische Prag", Prag 1917, Selbstwehr). 22) Deutsch von Rudolf Fuchs im Kurt-Wolff-Verlag in Leipzig. Fr. Werfel leitete die Übersetzung mit einem begeisterten Essay über Bezruc ein. 23) Rudolf Fuchs rechtfertigt (im „Tagesboten" vom 23. Feber 1930) seine Bezruc-Übersetzung im Anschluß an eine Besprechung meines Buches folgendermaßen: „Als der Übersetzer des Petr Bezruc von den ^Sehlesischen Liedern' innerlich Besitz ergriff, wie zuvor sie von ihm Besitz ergriffen hatten, wußte er, daß diese Verse der Bibel vermählt sind, dem Alten Testament, das auch unerbittlich war7 schrecklich, gewaltig, riesenhaft, in seiner Größe und Ganzheit beglückend und unvergänglich. In der Übersetzung der ,Schlesischen Lieder4 ins Deutsche erblickte ich meine jüdische Aufgabe." 23a) Es sei erwähnt, daß auch der Hilsner^Proizeß bereits in die belletristische LHev&t.nr Eimg&nig fand. Karl Taus gab jüngst (1930) den „Roman des Juden Hilsner" (Roman zida Hilsnera) heraus, ein kunstloses Machwerk, das von den „Protokollen der Weisen von Zion" als von einer Tatsache spricht. 24) Mit seinem wirklichen Namen hieß er Vojtech Hlinka (1817—1904). Er war Priester von Beruf und stand als Begründer des tschechischen Dorfromans unter dem Einfluß B e r t h o 1 d Auerbachs und Jeremias Gotthelfs. 25) Auch Kosmäk (1843—1898) war Priester von Beruf. Seine Werke fanden, msibesondere .auf dem Lande, eine zu ihrem künstlerischen Wert unverhältnismäßig große Verbreitung. 26) Daß er kein Antisemit ist, bewies er unter anderem auch durch den «einem Freunde J«ul. Taussig gewidmeten Nekrolog. (Cz. kalendär 1912-13.) Eine Ergänzung des Kapitels „Isak Wolf, Gemischte Warenhandlung" ist Herbens Aufsatz „R ä t - s e 1" (Zähada, Cz. kal. 1929/30), in dem er sich mit Isaks Sohn beschäftigt. 27) Enthalten in dam Buche „Benetzte Spinngewebe" („Porosene pavuciny"). 28) Erschienen in „Besedy casu" am 24. Feber 1911, deutsch in meinem Büchlein „Masaryk und das Judentum" (Brünn 1920). 143

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