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Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik · 1931-01-01 · 3 (1931) · page 145

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Journal
Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
Volume
3 (1931)
Date
1931-01-01
Page
– (sequence 145)
Language
German
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IRI
…/2644300-2644305--1151-2645494
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Nachwort. Die vorliegende Arbeit stellt einen Versuch dar, die zwischen dem Judentum und. der tschechischen Literatur bestehenden Beziehungen aufzuzeigen. Im ersten Anlauf konnte die Frage nicht ganz erschöpfend beantwortet werden. Es wurden die jüdischen Motive in der tschechischen Belletristik des XIX. und XX. Jahrhunderts herausgehoben und es wurde gezeigt, welchen Anteil die Juden an dieser Literatur haben. Damit wurde der Weg für weitere Arbeiten gebahnt, die darin bestehen worden, Einzelfragen gründlicher zu behandeln, z. B. gewisse judenfreundliche oder antisemitische Erscheinungen genauer zu erklären. Es wird ferner zu untersuchen sein, ob und wie sich das jüdische Wesen bei 4 nichtjüdischen, aber von Juden stammenden Schriftstellern äußert (z. B. bei Vrchlicky, Zeyer, Olbracht). Prof. Tille behauptet, daß dem Leser von Zeyers „Jan Maria Plojhar", des Dichters „ausschließlich rassenmäßiges Gefühl der Erniedrigung und Demütigung, das ihn in seinen stürmischen Kundgebungen leitet und das sich zu jenem der nationalen Sehmach wandelt" nicht entgehen könne38). Otakar Fischer, der Tilles Ansicht teilt, erklärt39), daß sich die Anschauung über Zeyer und seine Einordnung ändern müßte, wenn es nachzuweisen gelänge, daß sein Gefühl der Fremdheit und die Unzufriedenheit auf seine jüdische Rassenzugehörigkeit zurückzuführen seien. Diese Untersuchungen harren also ihrer Verwirklichung. Wollte man die Frage „J u d e n i n d e r t s c h e c h i s e h en L i t e - ratur" restlos beantworten, so müßte man die Erörterung auf das Gebiet der Wissenschaft und der gesamten Publizistik erstrecken. Erst wenn man die Verdienste jüdischer Gelehrter (z. B. Ernst Kraus, Karl V e 1 e m i n s k y, Paul Fraenkl, Johann M ü n z e r, Hugo Siebenschein, J. Humberge r, Prof. S c h o e n b a u m u. a.) und jüdischer Journalisten, Politiker, aber auch Künstler nach Gebühr würdigte, wenn man schließlich der unzähligen kleinen Arbeiter gedächte, die im Stillen wirken „na näroda roli dediöne" (auf dem ererbten Felde der Nation), wie es bei Jan Koll&r so schön heißt, dann erst würde sich zeigen, in welch hohem Maße Juden und Judenstämmlinge an dem Aufbau der tschechischen Kultur mitgeschaffen haben. 141

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