Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 3 (1931)
- Date
- 1931-01-01
- Page
- – (sequence 139)
- Language
- German
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Gesellschaftsbild aus der Zeit nach dem Umsturz. Zeigt schon das „Horologium" einen starken sozialistischen Einschlag, so ist das nächste Drama, „Die Sklaven" (Otroci, 1925), in dem der Aufstand des Sklavenhäuptlings Spartakus gegen Rom behandelt wird, ganz dem sozialistischen Problem gewidmet. Moderne kommunistische Ideen werden in antikes Gewand gekleidet. Fischers letztes Drama „W e r i s t der Stärkere?" (Kdo s koho, 1928) ist eine Satire auf die moderne Gesellschaft, in der namentlich die mondäne Frau verspottet wird. Dem dichterischen Schaffen Fischers hält seine wissenschaftliche Produktion die Wage. Sie hängt mit seinem Lehr-, Kritiker-, beziehungsweise Dramaturgenberuf zusammen. Hieher gehören die Werke „Heinrich v. Kleist und sein Werk" (H. v. Kleist a jeho düo, 1912), „FriedrichNietzsche" (1913), „Hein e" (1923/24), „Fragen der Literaturpsychologie" (Otäzky literärni Psychologie, 1917), „Das Drama" (K dramatu, 1919), „Seele und W o r t" (Duse a slovo, 1930). Besondere Beachtung verdient die zweibändige Heine-Monographie, in der Fischer des Dichters Leben und Werk mit einer bewunderswerten und achtunggebietenden Gründlichkeit behandelt. Das Buch ist außerdem mit solch hinreißendem Schwung und solcher Wärme geschrieben, daß es den Leser wie ein Roman fesselt. Seine Spuren reichen in die Zeit der Rheinreise zurück, bei der sich Fischers Verhältnis zum Judentum wandelte. Nun kann sich der Verfasser ohne Hemmungen mit Heines Judentum beschäftigen. Er bezeichnet Heine als einen Dichter des Judentums, einen typisch jüdischen Dichter, als eine Mischung guter und böser Eigenschaften seiner Rasse. Er sei der erste jüdische Künstler gewesen, der die nationale Kunst richtunggebend beeinflußte (Spinoza, Mendelssohn und Börne kämen nicht in Betracht), der erste moderne Europäer, der in die Poesie Elemente des bewußten und unbewußten Judentums hineintrug. Schließlich sei noch Fischers als Übersetzer gedacht! Der hervorragende Philologe und zugleich Meister der Verskunst ist für den nicht besonders dankbaren Beruf des Übersetzers geradezu vorausbestimmt. Da er sich den Ubersetzungen mit gleicher Liebe widmete wie seinen übrigen Arbeiten, so konnte auch hier der Erfolg nicht ausbleiben. Fischers Übersetzungen gehen gewöhnlich Hand in Hand mit seinen literarhistorischen Studien. Auf die Kleist-Monographie folgte die Übersetzung der „Penthesilea", auf das Nietsche-Buch „Also sprach Zarathustra" und „Geburt der Tragödie", auf das Werk über Heine „Heines Passional". Außerdem gab Fischer eine lyrische Anthologie unter dem Titel „Aus Goethes Land" heraus. Neben einer Auswahl aus Goethes Poesie befinden sich in diesem Buche auch Gedichte von Hölderlin, 135