Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 3 (1931)
- Date
- 1931-01-01
- Page
- – (sequence 138)
- Language
- German
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ja..." (Hab neue Brüder nun. Ihr Ziel. Ihr Angesicht. Bin weniger, bin wahr. Ein Gleicher nicht. Bin auserwählt. Bin alt und jung. Und doch: ein Fremdling. Gast. Mestize immer noch. Verschieden so vom Volk, des Lied ich singe, doch Deserteur des Bluts, aus dem ich dringe, bin ich verflucht, bin glücklich, nimmer ich.) Der Dichter kommt zur Überzeugung, daß er dem Judentum, das allzu tief in ihm wurzelt, nicht entrinnen kann: „Mnou vrstvy vekü, strme propasti, svou kfici touhu, touhu po slasti; mnou, jenz jsem krüpej, sumi mofe bed; mnou, jenz jich neznal, üpi bore ghett; ja vestit neumim a ziräm v tmäch; ja nechcl hrät a smycce pfec jsem tah. Ja nemluvim. Mä mluvi krev, me pleme. Ja nezpiväm. To zpivä neco ve mne." (Aus mir der Zeiten Schiebten, steile Schluchten ihr Sehnen schrein nach Süße, die sie suchten; aus mir dem Tropfen, rauscht ein Meer der Not; aus mir, ders nicht gekannt, stöhnt Ghettotod. Nicht Seher, doch ins Dunkel luge ich; will spielen nicht und bin ein Bogenstrich. Ich spreche nicht. Es spricht die Sippenseele. Ich singe nicht. Es singt in meiner Kehle.)37) Lange konnte Fischer den Weg zum Judentum nicht zurückfinden. Er wich dem jüdischen Milieu und jüdischen Geistesprodukten geflissentlich aus. Erst das Jahr 1922 brachte eine Wendung in seinem Verhältnis zum Judentum. Damals befand er sich auf einer Rheinreise und kam nach Düsseldorf und Norderney. Dort entstand das Gedicht „Norderney". Der Dichter vernimmt im Plätschern der Wellen die Melodie „Harry — Heinrich — Heine!" An derselben Stelle, wo einst der große deutsche Dichter stand, legt er sich die Frage vor, mit der sich auch dieser abgequält hatte: Woher, warum, wohin? Sein Bekenntnis zu Heine („deinem Blut gehör' ich an") ist gleichzeitig ein Bekenntnis zum Judentum; daß er gleichzeitig gewisse Unsitten der Glaubensgenossen, denen er in Norderney begegnet, geißelte, ändert an, der Tatsache nichts. Eine Betonung seines Judentums enthält auch das Gedicht „Die Mystik des Blutes" (Mystika krve) der Sammlung „Stimmen"37*). Als Dramaturg und Theaterkritiker war Fischer dem Theater innig verbunden. Er wirkte aber auch als Dramatiker für die Bühne und bereicherte das tschechische Repertoire um eine Anzahl von Theaterstücken. In dem historisch-politischen Drama „Die P f e m y s 1 i d e n" (Pfemyslovci, 1918) schildert Fischer die Regierungszeit der beiden letzten Premysliden Wenzel II. und Wenzel III. in den Jahren 1304 bis 1306 und den tragischen Tod des letzteren, in dem mythologischen Drama „Herakles" (1919) die titanenhafte Kampfbegierde des griechischen Heros, der auch vor dem Kampfe mit den olympischen Göttern nicht zurückschreckte, in dem politischen Gegenwartsdrama „Das Horologium der Welt" (Orloj sveta, 1921) ein Prager 134