Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 3 (1931)
- Date
- 1931-01-01
- Page
- – (sequence 137)
- Language
- German
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teueren Toten, dem so jung verstorbenen Dichter Otakar Theer und Klara Bause. Das vierte Buch („Der Sommer") hat erotischen Inhalt. Dem Dichter ist kein Liebesglück beschieden. Die Liebe flieht ihn („Das fliehende Glück"), wenn er liebt, findet er keine Gegenliebe („Der Verwundete"). Hier findet auch der politische Umsturz des Jahres 1918 ein Echo. Im Gedicht „Der G r u ß" (Pozdrav) gibt er seiner Freude über die Befreiung des Vaterlandes, in den „Bitteren Strophen" (Trpke sloky) tseiner Enttäuschung über die Verhältnisse nach dem Umsturz Ausdruck. Den Sinn des weiteren Buches „K r e i s e" erläutert Fischer in dem Gedichte „Der Wandere r" (Poutnik). Danach spielt sich das Leben des Menschen in Kreisen ab (Auseinandergehen, Rückkehr, Versöhnung, Tod, Abschied...) und es schreitet auf dem weiten spiralenförmigen Weg vorwärts, bis es immer wieder zu derselben Kreuzung kommt. Der Mensch geht und geht und nirgends ist er zu Hause, er lebt und niemals stillt er seinen Lebensdurst, er arbeitet und niemals genießt er den Lohn seiner Arbeit. Das menschliche Leben vergeht schließlich wie ein Regenbogen im goldenen Nebeldunst, wie die Kreise im Wasser, von denen nicht die geringste Spur übrig bleibt. Dieses zentrale Gedicht der „Kreise" könnten wir auch als zentrales Gedicht der gesamten Lyrik Fischers bezeichnen, denn nirgends findet der Sinn seiner Lyrik so konzentrierten Ausdruck wie hier. Die letzte lyrische Sammlung „Die Stimmen" findet ihre Erklärung in dem Gedichtchen „D i e Tiefe14 (Hlubiny), worin der Autor ausführt, die Lieder dieser Sammlung seien das Echo von Stimmen, die drei Tiefen entsprießen: dem Weib — dem Meer — der Rasse. Hier wiTd sich also Fischer seiner Rasse bewußt, hier erst bekennt er sich offen zum Judentum. Doch flieht er die „blutschänderische" Liebe zu einer Jüdin („Die Sommernacht"), er vermag eine Ruth, Esther, Eva nicht zu küssen und schleicht sich auf den Fußspitzen von ihnen fort („Der Kirchendieb"). Eine Beichte Fischers, ein Dokument, das Einblick in seine durch Zwiespalt gepeinigte Seele gewährt, ist das Gedicht „Wurzelwärts" (Ke korenüm). Der Dichter versinkt immer tiefer in alte Zeiten. Er erlebt nochmals seine jüdische Kindheit und die ganze Geschichte des jüdischen Volkes. Von seinen Glaubensgenossen trennt ihn der Haß, die Untreue und der Widerwillen gegen den Weg, den sie gegangen sind. Der Anschluß an ein Volk, als dessen Angehöriger er sich bisher betrachtete, wird ihm verwehrt: „Jsem jednim z nich. A pfece miß i vic. Jsem vyvolen. Jsem stär a mläd. A prec: jen pnehozL Jen host. Jen misenec. Tak, od tech odlisen, jichz zpiväm zpev, tak, odpadlikem tech jsa, z nichz mäm krev, jsem klet i sfiasten. Nejsem to v§ak 133