Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 3 (1931)
- Date
- 1931-01-01
- Page
- – (sequence 136)
- Language
- German
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Seine zweite, Otakar Brezina gewidmete Sammlung bezeichnet Fischer als Buch vertraulicher Seelengespräche, in denen die Wirkung von Meer und Nacht, Jugend und Traum, Liebe und Tod, Heimat und Zeit auf seine Seele gezeigt wird. Zur Zeit, wo die Welt dem Kanonendonner lauscht, läßt der Dichter die Natiirerscbeinungen der vier Jahreszeiten auf sich einwirken und kleidet seine Empfindungen in Verse. Stille Resignation, Enttäuschung in der Liebe, Sehnsucht nach dem Süden, das sind weitere Motive dieser Sammlung. Schließlich beschäftigt ihn sehr stark die Frage nach dem eigenen Ich. „Wer bin ich?" fragt er in dem Gedichte „Das Amphitheater" und gibt sich folgende Antwort: „Potomek smyslnych rag — bez citu pro jejich deti; zivotem vrzen jak miß v stoleti ze stoleti. V pereje doby strzen a zaplavovän jak bräz; stavidlo, kterym proudi a pfelevä se cas; ne horskä strz ni pristav, ne üsti a ne zdroj, jsem pfechodny, prekotny dnesek, minula se zitrkem boj, jsem Riman a jsem obef, jsem smfr a rouhäm, jsem signäl vsedni präce a zvon, jenz vyzväni — me misto: krizovatka, müj osud: rozhrani; mou prapodstatou zmena, severojizni müj smßr, müj domov: labyrint vökü, mä duse: prolnuti sfer--Jsem krvi one krve, z niz vyvfel Ahasver." (Ein Nachkomme sinnlicher Rassen, ohne Gefühl für ihre Kinder; durchs Leben wie ein Ball geschleudert aus einem Jahrhundert ins andere. In die Brandung der Zeit gerissen und wie ein Deich überschwemmt; ein Wehr, durch das die Zeit hindurchströmt und über das sie hin wegfließt; ich bin 'kein Bergsturz und kein Haf en, keine Mündung und keine Quelle, ich bin ein vorübergehender, sich überstürzender Tag, ein Kampf des Gestern mit dem Morgen, ich bin ein Römer und ein Opfer, ich bin die Versöhnung und Lästerung, ich bin das Signal der täglichen Arbeit und die Feiertagsglocke — mein Platz ist der Kreuzweg, mein Schicksal das Grenzgebiet; mein Urwesen ist die Veränderung, mein Weg führt von Norden nach Süden, meine Heimat ist das Labyrinth der Jahrhunderte, meine Seele ein Durchdringen der Sphären--Ich bin das Blut von dem Blute, dem Ahasver entsproß.) In diesem Gedicht identifiziert sich der Dichter zum ersten Male mit dem jüdischen Volk, zum ersten Male wird er sich seiner jüdischen Herkunft bewußt. Es ist ein schwacher Beginn, der Dichter sagt noch hier, er habe kein Gefühl für die Kinder seiner Rasse, aber das jüdische Bewußtsein wird immer stärker und kommt schließlich in den „Stimmen" mit elementarer Gewalt zum Ausbruch. Im dritten Buch „Der brennende Busc h" beschäftigt sich Fischer hauptsächlich mit dem Tod und er besingt ihn in den verschiedensten Tonarten. Hier spielt er zum ersten Mal auf den Weltkrieg an („Herbst 1914", „1916") und hier nimmt er Abschied von den ihm so 132