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Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik · 1931-01-01 · 3 (1931) · page 134

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Journal
Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
Volume
3 (1931)
Date
1931-01-01
Page
– (sequence 134)
Language
German
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IRI
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(Träsnicky dejinnych dnü, 1919) sagt sich Weiner von seiner bisherigen philosophisch-grüblerischen Schreibweise los und berichtet als vorzüglicher Beobachter und temperamentvoller Journalist über die Vorgänge, die sich unmittelbar nach dem Umsturz in Prag und Paris abspielten. Das Werk besitzt als Zeitdokument einen großen Wert, weil es Menschen und Begebenheiten festhält, die im Laufe der Zeit teils mit Glorienschein umgeben werden, teils in Vergessenheit geraten könnten. Die beiden im J. 1928 erschienenen Gedichtsammlungen „Viel e N ä c h t eu (Mnoho noci) und „Stilleben mit einem Kauz, einem Herbarium und Würfeln" (Zätisi s kulichem, herbärem a kostkami) enthalten mystische, aus Traumzuständen des Dichters entstandene Hymnen auf die Schönheit der Natur zur Nachtzeit, verfaßt in der Art der Dichtungen von Otakar B?ezina. In den Gedichten der zweiten Sammlung werden außerdem Angst und Grauen in der Natur und die Tragik des leidenden Tieres beschrieben. Irgendeine jüdische Kundgebung oder eine Stellungnahme zu jüdischen Fragen vermissen wrir in Weiners Schriften. Jüdischen Stoffen geht er aus dem Wege. Nur in zwei Zeitungsaufsätzen (anläßlich der i. J. 1918 durch Ot. Fischers Drama „Die Premysliden" hervorgerufenen Polemik und der antisemitischen Unruhen in Prag im Jahre 1919) forderte er für die Mitarbeit und den gemeinsamen Kampf der Juden mit den tschechischen Volksgenossen volle Gleichberechtigung für jene und wendete sich gegen das Tschechojudentum als eine zwecklose Bewegung. Dennoch ist Weiner ein durch und durch jüdischer Schriftsteller, dessen jüdisches Wesen sich namentlich in seinem großen Intellekt, seiner Neigung zur Ironie und seiner journalistischen Begabung zeigt. Am jüdischesten unter allen seinen Schriften erscheint mir die Novelle „Der Tod des Jakob Ondfic h". Wir brauchen darin nur die Armut mit dem Judentum zu vertauschen und sehen ein Judenschicksal vor uns aufgerollt. Daß der Dichter das Judenproblem nicht offen, sondern bildhaft behandelt, ist auch ein jüdisches Spezifikum. Otakar Fischer ist als Dichter ein Formkünstler von solcher Größe, wie die tschechische Literatur seit Vrchlicky nur wenige aufzuweisen hat; außerdem zeichnen sich seine Gedichte durch bedeutenden Gefühls¬ und Gedankenreichtum aus. Nebst Lyrik schrieb Fischer auch Dramen, erwarb sich als Übersetzer aus dem Deutschen und Französischen große Verdienste und ist seit vielen Jahren als Theaterkritiker tätig. Das größte Ansehen genießt aber Fischer als Gelehrter. Er ist Germanist der Prager tschechischen Universität und sein wissenschaftlicher Ruf reicht weit über die Grenzen seines Vaterlandes. 130

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