Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 3 (1931)
- Date
- 1931-01-01
- Page
- – (sequence 133)
- Language
- German
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Handlung, umgibt, durchleuchten. Weiner lehnt das Prinzip der absoluten Kausalität ab und ist überzeugt, daß der vom Schicksal vorherbestimmte, sogenannte Zufall für das Leben des Menschen weit mehr Bedeutung habe als Ursache und Wirkung. Seiner Ansicht über die durch das Schicksal vorherbestimmte Weltordnung verleiht Weiner in der erschütternden Novelle „K o s t a j n i k" künstlerischen Ausdruck. Ein österreichischer Offizier liegt mit seinem Zug am Fuße des Kostajnik in Serbien und erwartet den Befehl zum Sturm auf den Berg. Er erinnert sich, den Namen Kostajnik ganz flüchtig in München gehört zu haben. Alte, unter der Schwelle des Bewußtseins ruhende Erinnerungen werden durch den Namen des Berges lebendig. Unter dem Knattern serbischer Gewehre ruft er sich die Feindschaft mit Ivo Ristic, der ihm in München die Geliebte abspenstig gemacht hatte, ins Gedächtnis. Er gibt einen Revolverschuß ins Dunkel ab und trifft — seinen Rivalen Ivo Ristic. So findet eine vom Schicksal vorausbestimmte, in München begonnene Handlung im Krieg am Berge Kostajnik ihr Ende. Das bei Weiner so beliebte Doppelgängermotiv kehrt, in die Kriegs - Verhältnisse projiziert, in der Erzählung „Der Doppelgänger" (Dvojnik) wieder. Von rührender Schönheit ist die Erzählung „D e r glückselige Tag" (Blahosklonny den). Ein österreichisches Bataillon kommt auf seinem Marsch ins Innere Serbiens in ein von seinen Einwohnern verlassenes Dorf. Nur die Kinder und etwas Vieh waren zurückgeblieben. Die harten Krieger erquicken sich an dem Beisammensein mit den Kindern. Die Glückseligkeit ist aber nur von kurzer Dauer, ein Kanonenschuß ertönt und heißt sie weiterziehen. Das Jahr 1918 brachte einen neuen Gedichtband Weiners: „Am Scheidewege" (Rozcesti). Hier kreuzen sich in der Tat zwei verschiedene Wege, die der Dichter beschritt. Eine Gruppe von Gedichten, aus dem Jahre 1914 stammend, handelt von Glück und Lebensfreude. Optimismus und Altruismus sind die Quelle dieses Glücks. Die zweite, aus den Jahren 1915 und 1916 stammende Gedichtgruppe hat einen ganz entgegengesetzten Charakter. Der Dichter tritt als Büßer und Selbstankläger auf, der Gottes Strafe erfleht, um sein Gewissen zu beruhigen. Im nächsten Jahre (1919) erschien Weiners Sammlung kleinerer psychoanalytischer und philosophischer Skizzen „Die Grimasse" (Skleb). Es wird darin die Grimasse gezeigt, mit der das Schicksal diesen oder jenen Menschen anstarrt. Der Dualismus, wie wir ihn in früheren Erzählungen Weiners kennen lernten, spielt auch hier eine große Rolle. In dem weiteren Buch „Tressen historischer Tage" 129