Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 3 (1931)
- Date
- 1931-01-01
- Page
- – (sequence 132)
- Language
- German
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des Entsagen'' (Usinevave odrikani);. zwischen allen dreien bestehen enge Beziehungen. Im „Gleichgültigen Zuschauer" befindet sich die Erzählung „Der Flug der Krähe" (Let vräny). Darin wird berichtet, wie eine einäugige Krähe tagaus tagein, Jahre hindurch über Land und über Wasser dahinfliegt, einem Ziele zustrebend, und sich nicht bewußt wird, daß sie ihr Ziel in dem Augenblick erreicht hat, als sie vom Kirchturm aufflog. Als ihr die Erreichung des Zieles zum Bewußtsein kam, war sie verunstaltet und schrecklich anzuschauen. Der überaus schön geschilderte Flug der Krähe ist eine ganz durchsichtige Darstellung des menschlichen Lebens. Mit dieser Erzählung ist Weiners erstes Versbuch „Der Vogel" enge verknüpft. Auch hier besingt der Dichter das Leben eines Vogels, der voll ist von glücklichen Begebenheiten, und von dort wendet er seinen Blick zu den bedrückten Menschen. Das Vöglein schlüpft aus der Schale in dem Augenblick, wo der Dichter als Landstreicher in die Heimat zurückkehrt. Beide freunden sich einander an. Der Dichter verfolgt die Spur des Vogelfluges, er begleitet den Genossen, er beobachtet sein Leben, wie er fliegt, singt, liebt — und stirbt. Auch hier spiegelt sich im Leben des Vogels das menschliche Dasein wider. In der Erzählung „Vom einarmigen Menschen" berichtet Weiner, welchen Eindruck gewisse Naturerscheinungen auf Ivan Zer, den Helden der Erzählung (gemeint ist der Dichter selbst), gemacht haben und wie sehr sie ihn zur Dichtung anregten. Solchen Sinneseindrücken verdanken die meisten Gedichte des Buches „L ä c h e 1 ndes Entsagen" ihre Entstehung. In vollen Zügen genießt der Dichter die Schönheit der iin Glanz des Frühlings prangenden Natur. Im Winter träumt er von ihr. Wenn er dem Lenz entsagen muß, so tut er es mit einem genügsamen Lächeln. Er nimmt auch mit dem Herbst vorlieb und ist dankbar dafür, daß auch zu dieser Jahreszeit manchmal das Frühjahr wiederkehrt. Aber auch der Herbst geht zur Neige und mit ihm schwinden die letzten Reste der Naturschönheit. Der Dichter schließt die Fenster, um in seine Stube die letzten Düfte, ein bißchen Luft und Licht von draußen einzufangen. Er schmückt sie mit Kränzen aus Birkenlaub und gibt sich seiner freilich stark herabgestimmten Freude hin. Er entsagt lächelnd. Weiners zweites Prosabuch „Die Furien" (Litice, erschienen 1916) hat den Weltkrieg als Hauptmotiv. Es gehört zu den ersten und besten Kriegsbüchern der tschechischen Literatur. Die wahrheitsgetreu und mit erschütternder Anschaulichkeit mitgeteilten Kriegsereignisse spielen aber in dem Buche nur eine untergeordnete Rolle. Der Dichter forscht vielmehr nach den Rätseln des Unterbewußtseins, er möchte das Dunkel, welches das Weltgeschehen, die menschliche 128