Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 3 (1931)
- Date
- 1931-01-01
- Page
- – (sequence 131)
- Language
- German
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Karl und Josef Capek in die Reihe der Kubisten. Weiners Erzählungen sind in der Tat philosophisch-kubistisch. Der Autor bemüht sich, durch Analyse bestimmter Lebensäußerungen, deren bewußte und durch Zufall bedingte Komponenten und damit den Sinn des Lebens, seine Ziele und Zwecke zu finden. Er zeigt den Menschen als Spielball des Schicksals. Die Welt bewegt sich als Riesenmaschine und reißt den Menschen einfach mit sich fort. Das Grübeln nach den Geheimnissen der Welt verleiht Weiners Prosa ein eigenartiges, von der übrigen tschechischen erzählenden Literatur abweichendes Gepräge. Die Handlung ist in Weiners Erzählungen nebensächlich und sehr einfach. Viel mehr als um diese handelt es sich dem Dichter um die Psychoanalyse, um das Nachdenken und Grübeln über verschiedene Lebensfragen, über irdische und überirdische Dinge. Die Handlung kommt nur so weit in Betracht, als sie als Mittel zur Erreichung dieses Zieles dient. So überwiegt in Weiners Prosa das psychologische Interesse das narrative. Seine Gestalten sind zumeist schwache Jünglinge, die, vom Schicksal schärfer angefaßt, ihr Leben von sich werfen. So ist Mord und Selbstmord ein in den Erzählungen Weiners häufig wiederkehrendes Motiv. Weiters ist für Weiner der Dualismus im allgemeinen und das Doppelgängermotiv im besonderen sehr bezeichnend. Wie ein roter Faden zieht es sich durch alle seine Bücher. Immer wieder begegnen wir einem Menschenpaar, das bewußt oder unbewußt vom Schicksal zusammengekettet wird. In der Erzählung „Der gleichgültige Zuschauer" (Netecny diväk) im gleichnamigen Buch sind es die beiden Freunde Ludwig Marek und Josef Cerny. Marek sagt, er sei sich einer zweiten Existenz bewußt, Cerny gesteht seinem Freunde, wie stark er sich zu ihm hingezogen fühle. Ihre vom Schicksal begünstigte Verbindung wird zur Notwendigkeit. Cernys Doppelwesen — bei Tag ist er ein hochachtbarer Bankbeamter, bei Nacht führt er ein Apachenleben — paßt vortrefflich in den Rahmen dieser sonderbaren Erzählung. Dem Dualismus, der Verbundenheit zweier sich manchmal ganz fremder Menschen, begegnen wir auch in anderen Erzählungen Weiners, so z. B. im „Tod des Jakob Ondf ich" (Smrt Jakuba Ondricha; die Handlung ist der Kampf zweier schicksalhaft aneinander geketteter junger Menschen, eines reichen und eines armen, der so lange währt, bis einer von ihnen, u. zw. der scheinbare Sieger, getötet wird und so das Feld räumt), in „Mein Freund der Ausrufer" (Müj pfitel vyVolavac), „Leere Hände" (Präzdne ruce), „Abschied von g e s t e r n" (Louceni s vßerejskem) u. a. m. Das Buch „Der gleichgültige Zuschauer" ist ein Gegenstück zu den beiden Gedichtsammlungen „Der Vogel" (Ptak) und „Lächeln- 127