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Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik · 1931-01-01 · 3 (1931) · page 130

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Journal
Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
Volume
3 (1931)
Date
1931-01-01
Page
– (sequence 130)
Language
German
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IRI
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Menschen sein Mitleid nicht (um eines geringen Verdienstes willen fahren sie die ganze Nacht, auf einem hochbeladenen Wagen hockend, in einen entlegenen Ort und werden durch die Tücke des Schicksals gar oft auch um den armseligen Verdienst gebracht), aber er kann nicht umhin, auch diese zu verspotten, indem er ihre Schwächen besonders hervorhebt. Aus der Rolle fällt er nur im „Kultusvorstehe r", wo er für einen Augenblick ernst wird und zeigt, daß das Judentum fest und ungebrochen dastand, solange es verfolgt und erniedrigt wurde, während es in dem Augenblick, wo es den ersten Strehlen der Freiheit ausgesetzt war, abzubröckeln und zu verfallen begann. Gellners Verdienste um die tschechische Literatur sollen nicht geschmälert, seine Bedeutung soll nicht verkleinert werden. Es soll aber auch nicht geleugnet werden, daß sein Verhalten zum Judentum dieses mehr schädigte als das Verhalten mehrerer Antisemiten. Wie peinlich ist es, aus dem Munde eines Mchtjuden (Redakteur Heinrich) zu hören, die Ablehnung des Judentums sei — das Jüdischeste gewesen, was er an Gellner erlebt hätte. Positiver als Fr. Gellner ist trotz seiner Zugehörigkeit zur Sozialdemokratie Rudolf Illovy (* 1881) zum Judentum eingestellt. Er gab zwei Bändchen sozialistischer Gedichte heraus: „Blüten derRevolutionu (Kvety odboje) und „Schritte" (Kroceje). Im zweiten befinden sich die jüdischen Gedichte „Ausdem Ghetto hinaus" (Z ghetta) und „Vor einem Pogrom" (Pfed pogromem). Illovy lieferte dem Ceskozidovsky kalendäf wiederholt Gedichte jüdischen Inhalts. Hervorragend verdient machte er sich um die tschechische Literatur durch seine vierbändige Anthologie „Die tchechoslovakische soziale Poesie" (Ceskoslovenskä poesie sociälni). Gellner und Illovy geistesverwandt ist der Kraluper Advokat Josef Rosenzweig-Moir (* 1887), der Verfasser der Sammlung pessimistischanarchistischer Gedichte „Wenn die Jugend singt" (Kdyz zpivä mlädi) und des Büchleins „Die Gärten des Lebens", in dem der Dichter seine Lebensbeichte in poetischer Form ablegt. Ein sehr angesehener tschechischer Schriftsteller der Gegenwart ist Richard Weiner. In Pisek im J. 1884 geboren, studierte er an der Prager Technik und im Ausland Chemie, betätigte sich einige Zeit als praktischer Chemiker, um sich dann ganz der Journalistik und dem Schriftstellerberuf zu widmen. Er war Mitarbeiter mehrerer Prager Tagesblätter, jetzt bekleidet er die Stelle eines Korrespondenten der Brünner Lidove noviny, in denen er seine Aufsätze voll oder mit den Buchstaben rd. zeichnet. Die tschechische Literatur stellt Richard Weiner neben die Brüder 126

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