Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 3 (1931)
- Date
- 1931-01-01
- Page
- – (sequence 128)
- Language
- German
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mehr nur mit dem Abschaum der Pariser Bevölkerung. Jene zarten lyrischen Gedichte, denen wir in den beiden früheren Sammlungen vereinzelt begegneten, sind hier recht zahlreich vertreten. In den „Neuen Versen" finden sich auch einige epische Gedichte („Moralische Erzählung von einem braven und einem schlimmen Jungen", „Großmutter Hälkovä", „Laurentius"), die zu Gellners Epos „Don Jua n" hinüberleiten. Dieses erschien im Jahre 1912 in Fortsetzungen in der Sonntagsbeilage der „Lidove noviny" und im Jahre 1924 in Buchform. Der Held ist ein leichtsinniger, genußsüchtiger Student, ein Schürzenjäger, der keiner Beschäftigung nachgeht, sondern ein inhaltsloses Dasein führt. Von Ort zu Ort wandernd, wankt Don Juan aus den Armen der einen Geliebten in die der anderen. Er endet schließlich elend im Irrenhaus. Gellner schrieb nicht nur Verse, sondern auch Prosa. Er selbst gab freilich nur ein einziges Prosabuch heraus, u. zw. „Die Reise ins Gebirge und andere Erzählungen" (Cesta do hör a jine povidky), alles übrige erschien in Buchform erst in der von Hysek besorgten Gesamtausgabe. Gellners Prosa bleibt hinter seiner Poesie stark zurück. Die Erzählungen, in denen der Autor viel Selbsterlebtes mitteilt und Erfahrungen aus seiner Studentenzeit widergibt, entbehren der Handlung und sinken zu komischen oder tragikomischen Skizzen herab. In der Komödie „Der Hafen der Ehe" (Pristav manzelstvi) versuchte sich Gellner auch als Dramatiker. Sie enthält ebensoviel autobiographisches Material wie der Roman „Das fahrende Volk" (Potulny närod), und darin besteht eigentlich der Hauptwert dieser beiden Literaturwerke. Gellners Bild wäre unvollständig, wenn wir nicht seiner auch als Karikaturenzeichner gedächten. Er hatte einige Zeit an der Dresdner Akademie zugebracht; eine richtige Ausbildung als Maler wurde ihm aber niemals zuteil. Nach seiner Rückkehr aus Paris arbeitete er für die „Lidove noviny" und einige tschechische Zeitschriften. Er wählte die Motive für seine Zeichnungen aus der gegenwärtigen Politik, aber auch aus dem österreichischen Parlament. Am populärsten wurde er durch die im Jahre 1912 angefertigten Bilder aus dem Brünner Landtag. Bekannt sind auch der Zyklus von Karikaturen „Die Liebe" sowie die Abbildungen zu Havliceks „Taufe des heiligen Vladimir". Es Seien noch einige Worte über Gellners Einstellung zum Judentum gesagt! Sie war negativ, vollständig ablehnend. Er hatte für seine Glaubensgenossen nur Spott und Hohn übrig, z. B. in seinem Aufsatz 124