Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 3 (1931)
- Date
- 1931-01-01
- Page
- – (sequence 127)
- Language
- German
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ruce zahrät chtel na tvem srdci zivem ____ V bahne skoncl moje dny pro dar zapomneni. Mosty jsou jiz späleny, mosty za mnou späleny, navratu jiz neni." (Ich kam nicht zu dir in rührender Sehnsucht. Ich wollte nur meine abgestorbenen Hände an deinem schlagenden Herzen erwärmen ... Um des Vergessens willen werden meine Tage im Sumpfe enden. Die Brücken sind hinter mir verbrannt, es gibt kein Zurück mehr.".) Oder wenn der Dichter, nachdem er sich im Bette schlaflos herumgewälzt hatte, aufsteht, durch die nächtliche Stadt irrt und von dem Nachtleben angewidert, Selbstmordgedanken hegt: „ Z mesta jsem vyseL Sei jsem podle feky a vrby chtejice mne podesit volaly na mne posmesnymi skfeky: „Pfiteli, bratfe, pojd se obesit!" (Ich ging aus der Stadt, dem Fluß entlang. Die Weiden wollten mich schrecken und gellten mir höhnisch in die Ohren: Freund, Bruder, komm dich aufhängen!) Und so darf es nicht wundernehmen, daß diese Gedichtsammlung die vorhergehende an Schamlosigkeit noch übertrifft. Im Bewußtsein, das zulässige Maß überschritten zu haben, glaubt sich der Dichter entschuldigen zu müssen, indem er sagt: „Jsem smutny mlädenec, rouhavy cynik, v rozpuku mlädi zhofkl mi svet, v ovzdusi krcem a v zäpachu klinik vypucel pisne me jedovy kvet. Dekuji bohu a dekuji certu za plache chvile prchavy dar. 2ivota cisi jsem naklonil ke rtu, piju z m smutek a bolest a zmar." (Ich bin ein trauriger Geselle, ein lästernder Zyniker, schon in meiner Entwicklung zum Jüngling empfand ich die Welt bitter. Die giftige Blume meines Liedes wuchs inmitten von Schenken, im Gestank der Kliniken. Ich danke Gott und danke dem Teufel, daß sie mir wenigstens flüchtig manch wilden Augenblick geschenkt haben. Ich neigte den Lebensbecher zu den Lippen und trinke daraus Trauer, Schmerz, Vernichtung.) Neben Gedichten, in denen sich Gellner mit der Welt zerfallen zeigt, und scharfen Satiren der menschlichen Gesellschaft befinden sich hier auch Verse von so feiner lyrischer Zartheit, daß man sie diesem Zyniker gar nicht zumuten würde. Gelmers Dichtkunst erreicht den Gipfelpunkt in der dritten Sammlung „Neue Verse" (Nove verse). Das Buch, das bereits 1914 zum Druck vorbereitet war, erschien erst im Jahre 1919, von Gelmers Freund und Förderer St. K. Neumann herausgegeben. Hier näherte sich Gellner seinem Vorbild Heine, u. zw. dem Heine der Romanzero am meisten. Er bangt, klagt, vergeht vor Sehnsucht, zerwühlt sein Inneres und — schlägt plötzlich in eine höhnische Wendung um. Mehrere Gedichte dieser Sammlung beziehen sich auf Paris. Doch beschreibt der Dichter nicht etwa die Schönheiten dieser Stadt, deren Namen er einst nur mit bebenden Lippen aussprach, sondern beschäftigt sich viel- 123