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Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik · 1931-01-01 · 3 (1931) · page 126

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Journal
Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
Volume
3 (1931)
Date
1931-01-01
Page
– (sequence 126)
Language
German
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vollkommnen, aber schon bald darauf ging er aus dem gleichen Grunde nach Paris, wo er sich mit Zeichnungen für mehrere Zeitschriften recht kümmerlich fortbrachte. Durch Vermittlung des geistesverwandten Dichters St. K. Neumann kam er im Jahre 1911 als Karikaturenzeichner zu den Brünner „Lidove noviny", wo er bald zum Redakteur avancierte, da er sich auch als Journalist gut bewährte. Gleich zu Beginn des Weltkrieges rückte er zum Militär ein und gehörte zu den ersten Kriegsopfern. Gellners erste Gedichtsammlung führt den Namen „Nach u n s die Sintflut" (Po näs af pfijde potopa). In ihr befinden sich noch deutliche Spuren von des Dichters bereits überwundener anarchistischer Gesinnung (z. B. die Gedichte „Die Predigt des Spartakus", „Der Luftschiffer"), aber zum weitaus größten Teil huldigt Gellner in ihr dem flotten, genußvollen Leben, ohne sich über seine Zukunft irgendwelchen Gedanken hinzugeben. „Ach was, nach uns die Sintflut!"; diese Geste einer leichtfertigen Sorglosigkeit hat aber nicht für das ganze Buch Geltung. Nicht immer ist es der an den Rand gefüllte Becher, den er besingt, gar häufig klingen aus den Versen die Töne eines wunden, aufgewühlten Herzens. Der Dichter bekennt sich offen und in der denkbar zynischesten Weise zu seiner Genußgier. Zur Befriedigung der Sinne wählt er den stärksten Wein und die leidenschaftlichste Frau; diese fordert er, um die Lust zu steigern, zum Tanze im Rachen eines Kraters auf. Das Heute will er genießen, denn er weiß nicht, was das Morgen bringt — vielleicht gar den Tod! Nach den Stunden des Genusses erfaßt ihn Katzenjammer und er verfällt in dumpfe Resignation. Diese drückt er mit einem Zynismus aus, der wohl in der modernen Dichtung ganz vereinzelt dasteht. „A to vim jiste: Kdybych dnes byl zenou, tak slinäm sveta nastavil bych lic a s drzym smichem, sukni vyzdvizenou, sve telo sei bych prodat do ulic". (So viel ist gewiß: Wär' ich ein Weib, mein Antlitz hielt* ich hin dem Speichel der Welt und mit frechem Lachen und hochgeschürzten Röcken ginge ich durch die Gassen, meinen Körper feilzubieten.) Daß Gellner, der in seinen Versen das eigene Luderleben offen zugibt, den städtischen Philister nicht ungeschoren läßt, sondern ihn in Versen voll beißenden Hohnes aufs Korn nimmt, ist nur zu begreiflich. Der Titel des zweiten Buches „Lebensfreuder (Radosti zivota) ist ironisch gemeint. Aus den darin befindlichen 35 Gedichten schreien Schmerz und Verzweiflung eines wunden Herzens: „Ja jsem k tobe nepfisel v roztouzeni tklivem. Ruce jsem si zahfät chtel, mrtve 122

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