Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 3 (1931)
- Date
- 1931-01-01
- Page
- – (sequence 125)
- Language
- German
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In den letzten Jahren beschäftigte sich Robert Saudek ausschließlich mit graphologischen Studien. Er schrieb mehrere Werke über Graphologie und gewann durch sie Weltruf. Eine Schwester Robert Saudeks ist Gisa Pick-Saudek, bekannt als Übersetzerin aus dem Französischen ins Tschechische und als Verfasserin des Buches „Gespräche mit Otakar Brezin a" (Hovory s Otakarem Bfezinou36). Vftgzslav Markus, ein jüdischer Dramatiker, wählt den Stoff zu seinen Tragödien (z. B. „Theres e", „DasLebe n", „DasEl-en du. ..Die Wahrhei t") aus dem Leben der Arbeiter. Franz Gellner ist ein Lyriker von besonderer Art. Seiner beißenden Satiren wegen pflegt er als der tschechische Heine bezeichnet zu werden. Zu Lebzeiten war er als Dichter nicht so sehr populär wie als Karikaturenzeichner. Seine literarische Bedeutung geht aber schon daraus hervor, daß der Prof. für tschechische Literaturgeschichte an der Prager Universität Miloslav Hysek eine Gesamtausgabe von Gellners Schriften besorgte (Borovy, Prag 1926—1928). Franz Gellner wurde am 19. Juli 1881 in Jung-Bunzlau geboren. Als Sohn eines sozialistisch eingestellten Vaters wurde er extremer Sozialist und Anarchist, Er verschlang schon als Knabe sozialistische Zeitungen und Zeitschriften, die sein Vater abonniert hatte. In der Quarta (1895/96) gab er mit seinen Mitschülern die Zeitschrift „Die Laterne" heraus, für die er humoristische Gedichte schrieb und Karikaturen seiner Professoren zeichnete. In den folgenden Jahren hieß diese Zeitschrift „Pgle-Mele" oder „Jugend", und Gellner hatte an ihr sowohl als Dichter wie auch als Maler großen Anteil. Manche seiner Gedichte aus dieser Zeit gingen in Gellners erste Buchausgabe über. Gedruckt sah er sich zum ersten Mal als Quintaner (1896) in der humoristischen Zeitschrift „Svanda dudäk". Obgleich Autodidakt, war Gellner schon in seiner Jugend ein leidenschaftlicher Maler. Die Wände seiner Stube waren vollgeschmiert mit Kohle- und Kreidezeichnungen. Diese Vorliebe fürs Zeichnen brachte den Gymnasiasten nach der Matura an die Technik, u. zw. nach Wien. Dort führte er das Leben eines Bohemiens. Nach vier verbummelten Semestern verbrachte er ein Jahr an der Pribramer Bergakademie. Dann rückte er als Einjährig-Freiwilliger zum Militär ein, hatte aber auch da als prononcierter Sozialist keinen Erfolg aufzuweisen. Der Offiziersrang blieb ihm versagt. Nach dem Militärjahr begab er sich nach München, um sich in der Malerei zu ver- 121