Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 3 (1931)
- Date
- 1931-01-01
- Page
- – (sequence 124)
- Language
- German
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Lidov6 noviny und den Cas, wie auch für das Berliner Tageblatt und die Frankfurter Zeitung. Im Kriege übersiedelte er nach dem Haag, wo er ein Nachrichtenbureau errichtete. Nach dem Umsturz trat er in den tschechoslovakischen Außendienst und bekleidet heute das Amt eines Pressereferenten bei der tschechoslovakischen Gesandtschaft in London. Saudeks Erstlingswerk ist das im Jahre 1903 erschienene „Drama der Kinderseele" (Drama detskö duse), bestehend aus den beiden Einaktern „Das Gewissen eines Kindes" (Detske svedomi) und „J u d e n j u n g e n" (Zidovsti kluci), und dem Drama in vier Bildern „Hans" (Jenik). Schon hier erweist sich der Dichter als tiefschürfender Seelenforscher. Er schildert in allen drei Stücken den Schmerz einer Kinderseele. Im „Gewissen eines Kindes" zeichnet er einen jugendlichen Märtyrer. Ein Knabe erfährt von dem Verhältnis seines verwitweten Vaters mit der Erzieherin, in dem er die Verunglimpfung des Andenkens seiner Mutter sieht. Er macht dem Vater Vorwürfe und ruft durch die Erregung dessen Tod herbei. Von Gewissensbissen gequält, nimmt er sich das Leben. „Die Judenjungen" haben die Verfolgungen jüdischer Schülfer seitens ihrer christlichen Mitschüler zum Gegenstand. Wenn sie sich nicht zu Racheakten hinreißen lassen (wie in unserem Falle der Schüler Weißberger), so beweisen sie damit nicht nur ihren passiven Heroismus, sondern auch ihre hohe sittliche Einstellung. Das dritte Dramolett dieser Sammlung behandelt das Problem der Kindesaufklärung. Eine Mutter erkennt die seelische Not ihres Sohnes, in die dieser durch unrichtige sexuelle Aufklärung geraten war. Es gelingt ihr, durch vernünftige Belehrung das seelische Gleichgewicht ihres Kindes wieder herzustellen. Ungesunde Schulverhältnisse zeigt Saudek im Drama „Gymnasiastenrevolution" (Revoluce na gymnasiu). Aus nichtigen Gründen (Schülerzeitschrift, Verspottung mißliebiger Lehrer) sollen. mehrere Schüler relegiert werden. Einer von ihnen erschießt sich, nicht aus Angst vor der Strafe, sondern aus einem anderen (nicht angegebenen) Grunde. Schülereltern und Lehrkörper werden von Furcht vor einer Schüler-Selbstmordepidemie erfaßt und die ganze Angelegenheit wird vertuscht. Das Opfer ist nebst dem armen Selbstmörder ein junger, ideal veranlagter Lehrer, der als einziger für das Seelenleben der Schüler Verständnis hatte. Nach dem Kriege erregte Saudeks Roman „Die Diplomaten" (Diplomati) bedeutendes Aufsehen85). Die Handlung spielt im Haag zur Zeit des Weltkrieges und das Hauptmotiv bildet die Graphologie. Auf Grund ihrer graphologischen Fähigkeiten bilden sich die Hauptgestalten des Romanes: der Diplomat Graf Gall und dessen Sekretärin Marie Psanec, ihr Urteil über hervorragende am Weltkrieg beteiligte militärische und politische Persönlichkeiten. 120