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Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik · 1931-01-01 · 3 (1931) · page 122

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Journal
Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
Volume
3 (1931)
Date
1931-01-01
Page
– (sequence 122)
Language
German
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IRI
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legeriheiten behandelte. Daneben besorgte er die Literaturkritik. Dauernderen Wert haben nur die Ghettogeschichten und Dorferzählungen, die seit 1908 nacheinander im Ceskozidovsky kalendäf und im Jahre 1924 in Buchform gesammelt unter dem Titel „Hinter verrosteten Drähte n" (Za zrezavelymi dräty) erschienen. Der junge tschechische Schriftsteller Egon Hostovsky, dem wir bisher die beiden Bücher „Das tief eingewurzelte Ghetto" (Ghetto v nich) und „Das Danaergeschenk" (Danajsky dar) verdanken, bemüht sich um die Darstellung einer Symbiose von Juden und Christen in der tschechischen Provinz, wobei er Tugenden und Laster auf beide Gruppen ziemlich gleichmäßig, verteilt. Stellte Vojtech Rakous den böhmischen Dorfjuden, Max Lederer den böhmischen Ghettojuden, Gellner, wie wir noch sehen werden, den jüdischen Marktfahrer dar, so veranschaulicht Karl Poläcek einen neuen, in der tschechischen Literatur bisher unbekannten Typus: den schlauen jüdischen Handlungsgehilfen und Handelsagenten, sowie den selbständigen jüdischen Kaufmann, der sich aber von jenem, den wir bei den antisemitischen oder judenfreundlichen Schriftstellern kennen lernten, wesentlich unterscheidet. Nur die jüdischen Figuren von Eduard Baß könnte man) Poläceks Gestalten zur Seite stellen. Karl Poläcek (* 1892) ist Journalist und Berufsschriftsteller. Früher bei den Lidove noviny und der Tribuna tätig, gehört er jetzt der Redaktion des Ceske slovo an. Wir haben von ihm folgende Bücher: „Die Erzählungen des Herrn Kockodan" (Povidky pana Kockodana), „Mariasch und andere Gewerbe" (Marias a jine zivnosti), „Vierzehn Tage beim Militär" (Ctrnäct dni na vojne), „An der Schwelle des Unbekannten" (Na prahu neznäma), „3 5 Skizzen" (35 sloupkü)33), „Erzählungen jüdischen Bekenntnisses" (Povidky izraelskeho vyznäni), „Das Leben im Film" (Zivot ve filmu), „Um uns herum" (Okolo näs), „Da s Haus in der Vorstadt" (Düm na pfedmesti), „Stellenlos" (Bez mista) und das Lustspiel „Schnurbartbinden" (Päsky na vousy)34a). Die genannten Bücher enthalten humorvolle Satiren, die sich gegen verschiedene Stände der modernen Gesellschaft richten, z. B. gegen Bureaukraten und Professoren, Fabrikanten und Gewerbetreibende, gegen Kaufleute, Politiker, Schriftsteller, Journalisten u. v. a. Poläceks Vorzug liegt in einer ebenso scharfen Beobachtungsgabe wie guten Darstellungsfähigkeit. An Humor gewinnen aber seine Erzählungen hauptsächlich durch die Sprache. Er läßt die Personen in einem sehr 118

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