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Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik · 1931-01-01 · 3 (1931) · page 121

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Journal
Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
Volume
3 (1931)
Date
1931-01-01
Page
– (sequence 121)
Language
German
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IRI
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Onkel Vaclav, von Beruf Lampenanzünder in Brandeis, ist ein ganz prächtiger Mensch. Er heiratete eine Christin und ließ sich ihretwegen taufen; deshalb sagte sich die ganze Familie von ihm los. In Wirklichkeit war Onkel Vaclav vom jüdischen Glauben nie abgefallen. Wohl hielt er seiner Frau zuliebe die christlichen Feiertage, gleichzeitig aber beobachtete er seines tief eingewurzelten Judentums wegen auch alle jüdischen Vorschriften. Durch eine edle Tat versöhnte er seine Angehörigen und lebte fortan mit ihnen wieder im Frieden. Die Erzählung „Am Scheidewege" gewährt dem Leser Einblick in das einst bestehende Elend des Familiantentums. Adam Mandelik hatte ein Verhältnis mit der jüdischen Wirtschafterin Terynka, das nicht ohne Folgen blieb. Da er kein Familienrecht besaß, ließ er sich mit ihr geheim trauen. Der öffentlichen Meinung nach hatte Terynka das Kind, das dieser Ehe entstammte, von Adams älterem und flotterem Bruder Aron. Die Behörde trug nun diesem auf, der wilden Ehe ein Ende zu machen und Terynka in einer bestimmten Frist zu heiraten. Die Heiratsbewilligung sei ihm als ältesten Sohn gewiß. In Mandeliks Hause entstand helle Verzweiflung. Um Terynka zu retten, blieb Adam nichts anderes übrig, als sie dem Bruder zu überlassen und aus dem Hause zu gehen. Er ließ sich von ihr scheiden, damit sie Aron heiraten könne. Nach 20jähriger Abwesenheit vom Hause (das die Judenschaft bedrückende Familiantenwesen ist eben abgeschafft worden) kehrte Adam Mandelik als Schnorrer in sein Heimatsdorf zurück, mit der stillen Hoffnung, der Bruder werde ihm jetzt dasselbe Opfer bringen, das er vor 20 Jahren gebracht hatte. Er erfuhr bei seiner Ankunft, daß Aron sehr reich geworden sei und eben seine älteste Tochter (es war Adams Kind) verheiratete. Um das Glück seines Bruders und seines Kindes nicht zu stören, verließ er wieder unerkannt die Heimat. In den Fußstapfen Komperts und auch Rakous* wandelt der tschechisch-jüdische Schriftsteller Max Lederer, einst einer der fleißigsten Mitarbeiter der tschechisch-jüdischen Periodica (Ceskozidovske listy, Rozvoj, Ceskozidovsky kalendäf). Wenn er auch ab und zu in den beiden genannten Zeitungen in die politischen Diskussionen eingriff — wenn er es tat, so geschah es nie ohne Leidenschaft — blieb sein Hauptarbeitsgebiet doch die Belletristik und die literarische Kritik. Wir haben von ihm neben Originalgedichten (z. B. Dabir, Hamanklopfen, llagadainotiv), wo moderne Gedanken in biblische Form gekleidet werden, auch die tschechische Übersetzung von S. Kappers „Befreiten Liedern" (siehe Jan Krejci, Vybor ze spisü Kapperovych). Vom Jahrn 1908 angefangen bis zum Kriegsausbruch schrieb er jede Woche ein Feuilleton für den „Rozvoj", in dem er Tagesfragen (häufig an die jüdischen Feiertage anknüpfend), politische und literarische Ange- 117

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