Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 3 (1931)
- Date
- 1931-01-01
- Page
- – (sequence 119)
- Language
- German
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mit Tagesfragen beschäftigten. Genannt sei nur eine Reihe von Artikeln, die unter dem ständigen Titel: „Was Herr Isidor Goldstein erzählt" erschienen. Die erste Sammlung der Erzählungen von Rakous erschien im Jahre 1911 in einem Bande unter dem Titel „Die Wojkowitzer und die Dorfjuden" (Vojkovieti a pfespolni) und enthielt eine Auswahl seiner besten Arbeiten. Das Buch fand solchen Beifall, daß immer neue, erweiterte Auflagen folgten. Die dritte, aus dem Jahre 1920 stammende (Verlag „Obelisk"), umfaßte zwei Bände, die siebente aus dem Jahre 1926 drei Bände. Diese Ausgabe zerfällt in sieben Teile: Modehe und Resi, Lojsa Kiesler, Großvater und Großmutter, Juden und Jüdinnen, Noch einmal zu Hause, Jüdische Erzählungen und Skizzen, Rund um das Tschechojudentum. Die Erzählungen von Rakous haben zum Teil satirisch-humoristischen, zum Teil ernsten Charakter. Sie beschäftigen sich ausschließlich mit der Schilderung der Dorf juden. Der Ghettojude ist dem Dichter verhaßt und er bedient sich seiner höchstens als Folie für die Gestalten der Dorf juden, die er in schönstem Lichte darstellt. Von köstlichem Humor erfüllt sind die Geschichten von dem Ehepaar Modehe und Resi Koref. Modehe ist gutmütig, mehr einfältig, Resi ist ihrem Mann geistig und an Redegewandtheit überlegen, dabei herrschsüchtig und zänkisch. Was Wunder, daß Resi das Regiment im Hause innehat und Modehe ihr niemals zu widersprechen wagt. Modehe führt manches Schildbürgerstückchen aus, über welches seine Frau aus dem Häuschen gerät und für das sie ihn reichlich büßen läßt; aber das Ehepaar begeht auch gemeinsam so manchen komischen Streich. Wie sich Modehe und Resi im Kalender irrten und vorzeitig Roschhaschono feierten, wie Modehe bei der Verlobung seiner Nichte anstatt der vorbereiteten einzelnen blaugeblümten Schale die goldgeblümte von einem kompletten Sechserservice zerschlug, wofür er von Resi gescholten wurde, wie Resi, sooft sie sich unwohl fühlte, auch bei Sturm und Wetter die Chewraleute aus der Umgebung zusammentrommeln und sie bei ihrem Bette Gebete verrichten ließ und auf deren Vorhaltungen meinte, daß sie schon dreißig Jahre ordnungsmäßig in die Chewra einzahle und für ihr Geld auch bei Lebzeiten etwas verlangen dürfe, wie Modehe und Resi zusammen den in Wojkowitz veranstalteten Purimball besuchten, wie es Modehe vergönnt war, eine Woche lang in Freiheit, ohne seine bessere Ehehälfte, zu leben, das gehört zu den köstlichsten Beispielen tschechisch-jüdischen Humors. Den großen Erfolg verdanken die Erzählungen von Rakous ihren mannigfachen Vorzügen: 115