Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 3 (1931)
- Date
- 1931-01-01
- Page
- – (sequence 118)
- Language
- German
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außerdem noch für die Zeitschrift „Palecek" eine ganze Anzahl humorvoller Skizzen. Als er nach Prag kam, wurde er mit dem Redakteur Karl Fischer bekannt, der von der Sehnsucht nach einer tschechischjüdischen Literatur besessen war. Durch ihn geriet Rakous auf eine Bahn, die er nicht mehr verlassen sollte und auf der er berühmt wurde. Vojtech Rakous wurde im Jahre 1862 in Alt Brazdim bei Caslau als Kind armer Eltern geboren. Mit 13 Jahren trat er in ein großes Galanteriewarengeschäft in Prag ein, in dem er erst die deutsche Sprache erlernte. Er wohnte bei einem Altkleiderhändler in einem kleinen Gäßchen der Judenstadt. Sein Quartiergeber handelte aber nicht nur mit Kleidern, sondern kaufte und verkaufte auch Bücher, und der Knabe Rakous lernte so die historischen Romane von Herloßsohn, Tyl, Chocholousek und Jan z HvSzdy kennen. Auf diese Weise gelangte der Siebzehnjährige auch in den Besitz des ersten Jahrganges des Ceskozidovsky kalendäf, eines Buches, das in tschechischer Sprache geschrieben war und nur von Juden handelte. Machte schon das Buch an und für sich auf ihn einen starken Eindruck, so wirkte der Aufsatz „Die Juden in Böhmen" von Dr. August Stein ganz besonders auf ihn. Er fand darin die Antwort auf viele Fragen, die er sich selbst vorgelegt hatte, ohne sie beantworten zu können. Rakous verbrachte neun Jahre in Prag, nachher war er einige Zeit Getreidehändler auf dem Lande, kehrte abermals nach Prag zurück und lebt nun hier als Kaufmann und Schriftsteller. Als Karl Fischer von Rakous jüdische Erzählungen mit tschechischpatriotischer Tendenz verlangte, zwang sich dieser dazu und schrieb „In der Morgenröte einer neuen Zeit" und „Der Weltbürge r". Eine dritte brachte er nicht mehr zuwege. Dafür lenkte er seine Aufmerksamkeit auf andere Stoffe. Die Erinnerung an das Häuschen, in dem seine Wiege stand, wurde in ihm wachgerufen und ähnliche jüdische Hütten wie diese erweckten sein Interesse. Die kleinen, entlegenen, dem Treiben der Welt entrückten Dörfer mit ihren Juden, die dort geboren wurden, ihr ganzes Leben dort verbrachten, mit ihnen innig verbunden waren und alle guten sowie bösen Eigenschaften ihrer Umgebung angenommen hatten, wollte er darstellen. Das scheinbar unkomplizierte und durchsichtige Leben dieser Juden mit all seinen Freuden und Leiden wollte er zeichnen. Er einigte sich mit Karl Fischer auf dieses Genre und von da ab erschien im Ceskozidovsky kalendäf jedes Jahr eine „jüdische Erzählung" von ihm. Rakous war aber nicht nur ein treuer Mitarbeiter des Ceskozidovsky* kalendäf, sondern lieferte auch den Ceskozidovskö listy und dem Rozvoj Feuilletons und kleine belletristische Skizzen, die in die Buchausgabe keine Aufnahme fanden, weil sie sich zum größten Teil 114