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Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik · 1931-01-01 · 3 (1931) · page 117

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Journal
Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
Volume
3 (1931)
Date
1931-01-01
Page
– (sequence 117)
Language
German
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IRI
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skeho s närodem ceskym k mirü nad närody). Ein Friedensmanifest ist auch Kohns Aufsatz „Das verlängerte Gastmahl oder die tschechische Hagada" (Ceskozid. kal. 1919/20) mit dem Kehrreim: „Cantate canticum novum! Singet ein neues Lied! Dr. Kohn dachte viel über die Judenfrage im allgemeinen und über die tschechisch -jüdische Frage im besonderen nach. Die entsprechenden Aufsätze befinden sich in der Zeitschrift „Rozhled" 1918 und 1919 und im „Rozvoj" 1912—1929. Kohn ist ein Anhänger des tschechisch-jüdischen Assimilationsgedankens. Die tschechisch-jüdische Assimilation unterscheide sich, so sagt" er, von anderen dadurch, daß sie einem unterdrückten Volke gegen den Ansturm der Deutschen beispringe und daß sie die Nachkommen einer verfolgten Rasse nicht zu nationalem Haß, sondern zu kultureller Befreiungsarbeit aufrufe. Trotz seiner Zugehörigkeit zum Tschechojudentum trat Kohn niemals feindselig gegen den Zionismus auf. Er setzte sich vielmehr in der ernstesten Weise mit ihm auseinander und zögerte nicht, auch in zionistischen Versammlungen als Redner aufzutreten. Für ihn bedeutet Zionismus und Assimilation eine Frage der östlichen oder westlichen Orientierung. Beides hat seine Berechtigung, wenn es der zeitlichen Notwendigkeit und nicht einer zeitlichen Stimmung entspringt. Bei der besonderen Struktur der jüdischen Diaspora sei genug Raum für jüdischnationales Bewußtsein; dieses könne jedoch nicht die ganze jüdische Diaspora erfüllen. Beim Studium der Juden- ' frage bemühte sich Dr. Kohn, das Wesen des Antisemitismus zu erfassen. Es scheint ihm im „Gerismus", in einem Gefühl der Fremdheit, zu liegen. Viel Aufmerksamkeit schenkte er auch dem antiken Antisemitismus (namentlich bei Cicero und Tacitus), für den er eine Erklärung zu geben versucht. Vojtech Rakous (mit seinem wirklichen Namen Adalbert Österreicher) wurde durch sein Buch „Die Geschichten von Modehe und Resi und anderen lieben Leute n"33), das auch dramatisiert und verfilmt wurde, sehr populär. Der tschechische Schriftsteller Jan Herben hat ihn entdeckt. Im Jahre 1885 fand dieser in einer Prager Verlagsbuchdruckerei das Handschriftenfaszikel eines ihm ganz unbekannten Provinzschriftstellers. Er erkannte sofort dessen scharfe Beobachtungsgabe, den urwüchsigen Humor und die gute Ausdrucksfähigkeit. Er säuberte das Manuskript einer Humoreske von orthographischen Fehlern, veränderte den Namen Österreicher in Rakous, und schickte es einer Deutschbroder Zeitung, die es wirklich zum Druck beförderte. Und so schrieb Rakous für diese Zeitung und 113

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