Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 3 (1931)
- Date
- 1931-01-01
- Page
- – (sequence 116)
- Language
- German
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die in München, Hamburg, Weimar, Göttingen und Heidelberg eine hochentwickelte regionalistische Kultur geschaffen haben. Kohn verwirft den Provinzialismus, der nach isolierten Gebieten strebt, den alten Regionalismus, der nichts anderes ist als eine Nachäffung der Großstädte; er verlangt einen Neoregionalismus, der dem Lebensstil gewisser Gebiete eine eigene Kulturform geben soll. An dem Beispiel der Stadt Pilsen zeigt er, wie man durch einen organischen kulturellen Regionalismus der Zersplitterung vorbeugen kann. Das eigenartige geistige Milieu von Pilsen ruft besondere Fragen hervor und verlangt auch eine besondere Beleuchtung der Dinge. Daher stellt Kohn die Forderung auf, daß das neuregionalistische Prinzip auf den verschiedensten Gebieten der geistigen Tätigkeit zum Ausdrucke komme, z. B. in der Vaterlandskunde, in den Provinzzeitungen, in der gesamten Kulturarbeit und Volkserziehung. Dr. Kohn nahm in der Vorkriegszeit recht eifrig am politischen Leben teil und betätigte sich in Pilsen in der tschechischen Fortschrittspartei. Im Jahre 1911 bewarb er sich auf Grund des fortschrittlichen Programmes um ein Mandat in den Reichsrat. Damals (1910—1915) schrieb er seine zahlreichen politischen Artikel in den Pilsner „Smer". In den politischen Aufsätzen aus der Nachkriegszeit (1919—1922) betonte er die Notwendigkeit eines Einvernehmens der Tschechen und Deutschen,. einer Lösung der mitteleuropäischen Frage, und nahm Stellung zu politischen Tagesfragen. In einer Aufsatzreihe der „Ceskoslovenskä republika" (29. Jänner bis 27. Feber 1920) untersuchte er das Problem einer einheitlichen tschechoslovakischen Staatspolitik. Sehr stark ist bei Kohn der Friedensgedanke ausgeprägt. Daher auch seine Vorliebe für Mittel- und Paneuropäertum. Er läßt keine Gelegenheit vorübergehen, ohne auf die Notwendigkeit des Friedens hinzuweisen. In dem Aufsatz „Das tschechische Friedensprogramm" begründet er, warum die Tscheehoslovakische Republik ein so eminentes Interesse an der dauernden Entwicklung des Friedensgedankens hat, und er stellt als tschechisches Friedensprogramm auf: die Demokratisierung des Rechtes, die Notwendigkeit der Friedensbewegung als einer Volksbewegung. Er beklagt Komenskys Emigrantentum aus Böhmen, das bis zum heutigen Tage zu bestehen nicht aufgehört hat, dann seine wichtigsten Gedanken, der ewige Kampf gegen die Verworrenheit der Menschheit (vecny boj s labyrintovosti lidstvi) seien auch heute in Böhmen nicht vorhanden. Im Zeichen des Friedens begrüßt Kohn den tschechisch-jüdischen Parteitag vom 7. November 1926 und er hält dort seinen Festvortrag mit dem Titel „AusjüdischemStamme, mit dem tschechischen Volke zum Frieden aller Völker" (Z rodu zidov- 112