Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 3 (1931)
- Date
- 1931-01-01
- Page
- – (sequence 115)
- Language
- German
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der tschechisch-jüdischen Bewegung eine führende Rolle spielt, so begreifen wir das große Ansehen, das er allenthalben in der Öffentlichkeit genießt und das an seinem 70. Geburtstag besonders stark zum Ausdruck kam. Dr. Jindrich Kohn gilt als einer der besten Köpfe der tschechisch-jüdischen Bewegung. Ihn verbindet sein versöhnliches Wesen, die Vielseitigkeit seines wissenschaftlichen Interesses, die Neigung zu religiösen Fragen und schließlich auch die ruhige Art, sich mit dem Zionismus auseinanderzusetzen, mit seinem!tschechisch-jüdischen Gesinnungsgenossen Dr. Viktor Vohryzek. Mit seinem jüdischnationalen Antipoden Martin Buber hat er die großen spekulativen Fähigkeiten und das Bestreben, zu den Wurzeln der Judenfrage vorzudringen und zu ihrer Lösung beizutragen, gemeinsam. Dr. Kohn wurde am 7. März 1874 in Prlbram geboren, war etwa 20 Jahre als Advokat in Pilsen tätig, wo er sich um das Kultusleben der Stadt unbestrittene Verdienste erwarb, und wirkt jetzt als Advokat in Prag. Seit etwa 1910 entwickelt Kohn eine sehr rege publizistische Tätigkeit. Die in verschiedenen Zeitungen und Zeitschriften veröffentlichten Aufsätze würden gesammelt viele Bände füllen. Leider ist es bisher zu einer Sammlung auch nur der wichtigsten Aufsätze nicht gekommen. Kohn schrieb im Jahre 1919 für die Pilsner Zeitschrift „Zäklad" und in den Jahren 1920 und 1921 unter dem Pseudonym J. K. Pravda für die Zeitung „Tribuna" eine Reihe juristischer Artikel. In Buchform erschienen seine Vorträge „Politik und Recht (Pilsen 1910) und „Das Selbstbestimmungsrecht, was es ist und was es nicht ist" (Prag 1919). In den Jahren 1913—1915 lieferte Kohn der Pilsner Zeitung „Smer" eine ganze Anzahl volkswirtschaftlicher Aufsätze (z. B. „Das wirtschaftliche Tagebuch", „Die volkswirtschaftliche Stunde", „Gedanken zur sozialen Solidarität" u. v. a.). Im Jahre 1919 gründete er selbst die volkswirtschaftliche Zeitschrift „Zäklad", in der er neben den erwähnten juristischen auch eine Reihe sozialwissenschaftlicher Studien veröffentlichte. Darin findet sich schon der paneuropäische Gedanke, dessen eifriger Vertreter Dr. Kohn wurde. Noch eine andere Idee verficht er in Wort und Schrift, nämlich die Idee des Regionalismus. Er definiert den Regionalismus als eine neuzeitliche Erscheinung, die das Gefühl der örtlichen Verbundenheit besonders stark betont, und weist auf die Deutschen hin, 111