Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 3 (1931)
- Date
- 1931-01-01
- Page
- – (sequence 112)
- Language
- German
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wo drei verschieden gesinnte Menschen: ein Tscheche, ein Deutscher und ein tschechischer Jude in Frieden und bester Harmonie leben und der Bevölkerung ein schönes Beispiel geben, wie auch sie friedlich beisammen leben könnte. Diesem Roman folgten „Märchen für große undkleine Kinder" (Pohädky pro velke a male deti). Sie sind nur zum geringeren Teil für kleine Kinder bestimmt, zum größeren für Erwachsene, da sie voll sind von Satire und Hohn auf die Verkehrtheiten der modernen Welt. Leda schrieb seine Romane mit Vorliebe in Form von Memoiren. Außer der Form ist ihnen noch das Motiv gemeinsam, daß der Held, ein Junggeselle oder Witwer, nach vielen Umwegen sein Eheglück findet. Hierher gehören „Die Mem oiren eines Landlehrers" (Zäpisky vejikovskeho ueitele), „Die Memoiren eines alten Junggesellen" (Zäpisky stareho mlädence) und „Die Memoiren eines Buckligen" (Zäpisky hrbäcovy). Diese beginnt der 33jährige bucklige Ernst Heller (ein tschechischer Jude) am denkwürdigen 28. Oktober 1918 zu schreiben. Seine große Freude über das befreite Vaterland wurde durch folgende Begebenheit stark getrübt: Das ganze Städtchen ist auf den Beinen und feiert den Befreiungstag. In Begleitung eines Lehrers zieht eine Schar von Kindern, in der sich auch ein Judenknabe befindet, durch die Straße. Da stürzt sich der Lehrer auf den Knaben, zerrt ihn aus der Kinderschar, reißt ihm die Trikolore vom Rock, schlägt ihm das Lampion aus der Hand und jagt ihn mit den Worten: „Pack7 dich fort, du Judenbankert, du hast hier nichts zu suchen!" davon. Und die Umherstehenden empören sich nicht über das Vorgehen des rohen Jugendbildners; sie finden kein Wort des Tadels, sondern lachen nur über die Szene. Heller hingegen ist von ihr so erschüttert, daß er sich zum Schreibtisch setzt und seinen Schmerz niederschreibt. Er fährt dann ein ganzes Jahr hindurch in seinen Aufzeichnungen fort. Sie enthalten Erinnerungen an vergangene Jahre, an seine Mitschüler aus dem Gymnasium, an Familienereignisse, Erörterungen von Tages- und politischen Fragen, Eindrücke der Lektüre und schließlich eine Analyse seiner eigenen Seele. Den Hauptinhalt der Aufzeichnungen Hellers bildet seine Liebesgeschichte mit Marie Dubsky. Ledas Roman „Der Österreicher" (Rakusäk) hat einen gewesenen Offizier des österreichischen Generalstabes zum Helden, der sich nach dem Umsturz als Privatbeamter in Böhmen glänzend bewährt und sich auch infolge seines Interesses für die kulturellen Bestrebungen des tschechischen Volkes in die Verhältnisse seines Wohnortes sehr gut hineinfindet. Auch hier spielt eine Liebesgeschichte mit. Der Held findet die Witwe seines Kameraden aus Prz^mysl in Wien in großer Not, sorgt für sie und reicht ihr dann die Hand zum Bunde. Der 108