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Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik · 1931-01-01 · 3 (1931) · page 110

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Journal
Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
Volume
3 (1931)
Date
1931-01-01
Page
– (sequence 110)
Language
German
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IRI
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Nun wirkt er wieder als Rechtsanwalt in Prag. Dr. Eduard Lederer betätigte sich früher als aktiver Politiker, er war ein eifriger Journalist und produktiver belletristischer Schriftsteller. Wenn er auch nicht zu den namhaftesten tschechischen Schriftstellern zählt, so nimmt er dennoch durch seine Produktivität und die Vielseitigkeit seines Schaffens eine ehrenvolle Stellung ein. Wir wollen sein« politische Tätigkeit beiseite lassen und uns nur mit dem Schriftsteller Leda beschäftigen. Als tschechisch-jüdischen Pionier interessierte Dr. Eduard Lederer vor allem das tschechisch-jüdische Problem. Ihm widmete er außer einer großen Menge von Aufsätzen auch einige Bücher. So zeigte er in der Schrift „Deutscher und tschechischer Antisemitism u s" (Nemecky a cesky antisemitismus), daß der alttschechische nationalistische Antisemitismus von seinem deutschvölkischen Muster abhängig ist. In der „Tschechischjüdischen Frage4' (Ceskozidovskä otäzka) erklärte er die Ursachen des langsamen Fortschreitens der tschechisch-jüdischen Assimilation. Ein aufsehenerregendes Interview des katholischen Schriftstellers Dostal-Lutinov bei Dr. Rieger gab ihm Veranlassung zu der Schrift „Der Jude in der heutigen Gesellschaft". Dr. RLeger widerrief zwar in den Ceskozidovske listy seinen Ausspruch, durch den sich die Juden beleidigt fühlten, und die Närodni jednota ceskozidovska gab sich mit diesem Widerruf zufrieden; aber Dr. Lederer, Dr. Vohryzek und Dr. Klineberger kehrten für einige Zeit den Ceskozidovske listy den Rücken. Dr. Lederer widerlegt in der genannten Schrift alle den Juden seitens der Antisemiten gemachten Vorwürfe (er beschäftigt sich mit den Schlagworten wie „jüdische Solidarität", „Freimaurerumtriebe der Juden", „verjudeter Liberalismus", „jüdische Sozialdemokratie" u. a. m.), er kritisiert die Ansichten über die Rassentheorie, weist auf die Verunglimpfungen der jüdischen Religion hin und geht auf die besonderen tschechischen Verhältnisse über. Er begründet auch hier das zähe Festhalten der Juden am Deutschtum und die geringen Fortschritte der tschechisch-jüdischen Assimilation und schildert schließlich das Verhalten der tschechischen Literatur, Presse und Öffentlichkeit dem Judentum gegenüber. Der Autor will durch seine Schrift das Verhältnis der Juden zur tschechischen Gesellschaft und ihren Vertretern, den Abgeordneten, Journalisten, Bezirks- und Gemeindevertretern klären. Um das tschechische Lesepublikum mit allen Details der Judenfrage vertraut zu machen, gab Dr. Lederer ein größeres (zweibändiges) Werk „Kapitel vom Judentum und der Judenheit" (Kapitoly o zidovstvi a zidovstvu) heraus. Darin behandelt er auf Grund der Schriften von Masaryk, Schopenhauer, Klineberger und Lazarus allgemeine Religionsfragen, er beschäftigt sich dann im besonderen mit der 106

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