Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 3 (1931)
- Date
- 1931-01-01
- Page
- – (sequence 109)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2644300-2644305--1115-2645458- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Von Klinebergers Arbeiten, die sich mit der Judenfrage, bzw. mit der tschechisch-jüdischen Frage beschäftigen, seien erwähnt: ,.D e r Antisemitismus" (Otazka antisemitismu), „Die Assimilation" (Asimilace) und „Unsere Zukunft" (Nase budouenost). In der ersten Abhandlung untersucht Klineberger die historischen, kulturellen, wirtschaftlichen und politischen Ursachen des Antisemitismus und er kommt zum Schluß, daß nichts so gefährlich sei wie Schlagworte. Würde sich aber das Judentum ein Schlagwort wühlen, so müßte es lauten: strenge Sittlichkeit, Patriotismus verbunden mit Humanität, Fortschritt verbunden mit Aufklärung. Im zweiten Aufsatz stellt Klineberger die Behauptung auf, daß die Assimilation ein gefühlsmäßiges Aufgehen in der Umgebung erfordert, der dritte Aufsatz ist eine Polemik gegen Prof. Franz Krejcis Ansichten über die Assimilation. Es geschähe Ant. Rataj ein großes Unrecht, wenn man seinen belletristischen Arbeiten, namentlich seinen zerstreut erschienenen Erzählungen und lyrischen Skizzen, die Anerkennung versagen würde, und es wäre höchst an der Zeit, diese einmal in Buchform herauszugeben. Sie zeichnen sich durch große Liebe zur Natur und Mitleid mit unterdrückten und leidenden Wesen aus. Als Beispiel diene die Skizze „Der Fremdling" (Cizinec). Eine Taube, die von derselben Art, gleichen Blutes und gleichen Aussehens ist wie das übrige Taubenvolk, wird von ihren Genossen verachtet und schließlich zu Tode gequält. — Vertauschen wir das Taubenvolk mit der menschlichen Gesellschaft, und wir haben den Sinn der Fabel, in der das Leben der Tauben und des Geflügels in einem Bauerngehöft großartig dargestellt wird. Überaus schön sind auch Ratajs in Prosa verfaßte lyrische Skizzen ,.Der große Pan ist nicht tot" (Neumrel velky Pan), „Dämmerung" (Za soumraku), „Das Märchen eines Somm.erabends" (Pohadka letniho vecera). Es sind Lobgesänge auf die Schönheit der Natur im Frühjahr, Sommer und Herbst, in denen sich der Dichter als Meister der Naturschilderung erweist. Eine prominente Persönlichkeit der tschechisch-jüdischen Bewegung ist Dr. Eduard Lederer (Leda). Am 15. Juli 1859 in Chostowitz bei Täbor geboren, studierte er am deutschen Gymnasium in der Prager Neustadt, dann Jus an der utraquistischen Universität zu Prag. Nach seiner im Jahre 1883 erfolgten Promotion war er einige Jahre Advokaturskonzipient in Prag und li-eß sich 1890 als selbständiger Advokat in Neuhaus nieder. Nach dem Umsturz wurde er als Referent für jüdische Kultusangelegenheiten ins Schulministerium berufen und übte dieses Amt bis zum Jahre 1926 aus. 105