Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 3 (1931)
- Date
- 1931-01-01
- Page
- – (sequence 107)
- Language
- German
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Vohryzek folgendes Bild aus der Umgebung von Pardubitz: Auf der einen Seite befindet sich eine Anzahl von Dörfern, deren Häuser zerfallen und deren Gewerbe herabgekommen sind. Binnen 10 Jahren geriet alles in die Hände des Großgrundbesitzers. Auf der anderen Seite stehen schöne Dörf er mit vielen neuen, anmutigen Häusern, dort blühen Handel und Gewerbe, leider sind auch die Gasthäuser stark besucht. Woher dieser Wohlstand? Es kamen zwei Juden, der eine baute eine Zuckerraffinerie in Rossitz, der andere eine Petroleumraffinerie in Pardubitz. Das Volk fand Arbeit und Verdienst und die sparsamen Leute erbauen sich eben ihre schöne Häuschen... Nachod, Hronov, Boritz, Eipel u. a. sind Denkmäler jüdischen Fleißes und jüdischer Tüchtigkeit. Einst waren das so arme Gegenden, daß ihre Bewohner an Unterernährung zugrunde gingen oder massenweise in die Fremde auswanderten. Jüdische Fabrikanten verwandelten wüstes Land in fruchtbare Gegenden ... Wie priese man einen Nichtjuden, der solches vollbrächte, aber der Jude —der bleibt der Parasit. Zionismus und Assimilation. Vohryzek gehört zu den Vorkämpfern der jüdisch-tschechischen Assimilationsbewegung. Für ihn bedeutet Assimilation nichts anderes als eine sprachliche und kulturelle Anpassung und keineswegs ein vollständiges Aufgehen in der Umgebung, wie dies manche Genossen Vohryzeks (z. B. Dr. Teytz) forderten. Er bekämpft natürlich den Zionismus, aber er tut dies in seriöser Weise und hält sich von unwürdigen Anrempelungen zurück. Sobald der Kampf zwischen Zionisten und tschechischen Assimilanten Formen annimmt, die den guten Ruf des Judentums gefährden, versucht er durch den Aufsatz „Es herrsche Frieden unter uns" besänftigend einzugreifen. Als belletristischer Schriftsteller beschrieb Vohryzek nach Rakous' Art das Leben der Juden auf dem Lande. Am liebsten greift er auf die Geschichte seiner eigenen Familie zurück und schreibt „Blätter aus der Familienchronik". Wir besitzen von ihm die Erzählungen: „Mein Großvater" (Müj dedecek), „Als der V a t e r die Mutter n a h mu (Kdyz si tatinek maminku bral), „U n s e r e D o r o t k au (handelt von dem Dienstmädchen, das 28 Jahre im Hause war und mit der Familie Freud und Leid teilte), „D e r a 11 e Taus s ig am Sterbebet t" (Stary Tausik umirä), „Unter dem Fliederbaum" (Pod vetvi bezu) u. a. Er versuchte sich auch als Dramatiker mit zwei kleinen Lustspielen: „Neda n" und „Rote Korallen" (Oervene koraly). Seine Übersetzung von Havh'ceks satirischem Gedicht „Die Tauf e des heiligen Vladimir" ins Deutsche fand berechtigten Beifall. 103