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Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik · 1931-01-01 · 3 (1931) · page 104

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Journal
Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
Volume
3 (1931)
Date
1931-01-01
Page
– (sequence 104)
Language
German
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IRI
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Verantwortung dafür, was er schreibt, verlangte ..Schon aus dieser Selbstcharakteristik lernen wir Vohryzek als medizinischen, philosophischen, soziologischen und belletristischen Schriftsteller und außerdem als Journalisten kennen. Die Journalistik vermochte aber in ihm den Fachschriftsteller nicht zu verderben, im Gegenteil, sie verlieh seinen Aufsätzen einen gewissen temperamentvollen Zug. Vohryzek lieferte seine Beiträge Prager Zeitungen und Zeitschriften (Cas, Osveta lidu, Seena), wie auch Provinzblättern (Vychodocesky obzor, Jiskra u. a.), er gehörte zu den fleißigsten Mitarbeitern der Ceskozidovske listy und schrieb einige Zeit nahezu allein den Rozvoj. Eine Anzahl medizinischer Aufsätze publizierte er in der „Zeitschrift tschechischer Ärzte" (Casopis ceskych lekafü). Seine philosophischen und soziologischeil Abhandlungen wurden gesammelt und zum Teil unter dem Titel „Zur Judenfrage, ausgewählte Abhandlungen und Aufsätze" (K zidovske otäzce, vybrane üvahy a clänky) in Buchform vom Studentenverein „Kapper" herausgegeben. Darin erörtert Vohryzek Fragen der Religion, der Philosophie, er behandelt die Assimilation, den Zionismus, wirtschaftliche und politische Fragen sowie aktuelle Fragen des täglichen Lebens. Die Religion. Dr. Vohryzek bekämpft die Orthodoxie, setzt sich aber leidenschaftlich für die Erhaltung des Judentums, für den Mosaismus ein, freilieh nicht in seiner veralteten, orthodoxen, sondern in seiner fortschrittlichen, reformierten Gestalt. Er verwirft das Alte Testament, den Talmud und anderen religiösen Ballast, durch den die Wissenschaft beschwert und in dessen Namen Galilei gefoltert, Giordano Bruno hingerichtet, Kopernikus in Acht getan wurde. Für ihn beruht die Grundlage des Mosaismus nicht in Büchern, sondern in bestimmten, längst isolierten Grundsätzen und Wahrheiten, aus denen sich eine zur werktätigen Liebe und Gerechtigkeit führende Weltanschauung gebildet hatte. Das Wesen des Judentums erblickt er weder in den Speisegesetzen und in der Zirkumzision, noch in den Gebeten und Opfern, sondern in einer ganz bestimmten objektiven Weltanschauung, die es unverwüstlich und unausrottbar macht. Jüdisches Bewußtsein heißt jüdische Vertiefung und gründliche Reform. Vohryzek führte für seine Person die Reform durch und sagt von sich, er sei ein besserer Jude und bewußterer Mosaist geworden als früher. Als Ideal schwebt ihm eine Synthese von Religion und Philosophie vor, die, erhaben über eine kirchliche Religion, die Völker zu einer geistigen Einheit verbinden würde. Das Suchen einer solchen Synthese möge auch die Grundlage der Assimilation bilden. — Vohryzek, der Gegner des konservativen Judentums, war nicht minder feindselig eingestellt gegenüber dem Indifferentismus, dem Konvertitentum und der Konfessionslosigkeit. 100

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