Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 3 (1931)
- Date
- 1931-01-01
- Page
- – (sequence 103)
- Language
- German
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Spinozas „Theologisch^politischer Traktat", Beard-Rockwelt „Neurasthenie", Dostojevskijs „Brüder Karamzow", Heines „Gesammelte Werke", Moritz Benedikt „Die Seelenkunde des Menschen", Ivan Bloch „Das Sexualleben der Gegenwart", Macaulay „Lord Burleigh und seine Zeit", Masaryks „Böhmische Frage", M. Lazarus' „Ethik des Judentums". Auf Zureden des Pardubitzer Apothekers Zegklitz, und um seinen Angehörigen näher zu sein, übersiedelte Dr. Vohryzek im Jahre 1894 nach Pardubitz. Einige glücklich kurierte Fälle verschafften ihm in kürzester Zeit eine ausgedehnte Praxis. Große Sympathien gewann er dadurch, daß er sich bei all seiner Inanspruchnahme den armen Bevölkerungsschichten in selbstlosester Weise widmete. Nicht nur, daß er sie umsonst behandelte, er brachte, wo es notwendig war, selbst die Heil- und Stärkungsmittel mit. Sein Edelmut, seine umfassende und gründliche Bildung und sein Kunstverständnis erwarben ihm unter der Pardubitzer Intelligenz viele Freunde. Er gründete einen fortschrittlichen Zirkel, aus dem später der „Fortschrittsklub" entstand. Im Krieg wurde Dr. Vohryzek wegen eines im „Ro-zvoj" abgedruckten Aufsatzes Dr. Klinebergers für einige Zeit inhaftiert. Des selbständigen tschechoslovakischen Staates erfreute er sich nur ganz kurz. Am 27. November 1918 erlag er während eines Krankenbesuches einem Schlaganfall. Über sein schriftstellerisches Schaffen äußert sich Vohryzek selbst folgendermaßen: „Ich schrieb eine große Anzahl von Zeitungsartikeln, Feuilletons, Notizen und Bemerkungen, in denen ich Tagesereignisse vom Standpunkt des Arztes und Psychologen kommentierte. Ich analysierte eine Menge von 'Gerichtssaalfällen, wobei ich dem Publikum zu zeigen versuchte, wie man den Verbrecher zu betrachten habe, wie man ihn verstehen und ihm verzeihen könne. Bei der städtischen Bevölkerung ging ich den Spuren des Alkoholismus in den besseren Kreisen und der Prostitution nach. Fast die ganze Zeit hindurch versorgte ich die Provinzblätter mit Aufsätzen ähnlichen Inhalts, wobei ich mehr verzeihend besserte als verurteilte (vice jsem opravoval nez odpravoval). Ich tadelte die unhygienischen Verhältnisse in unseren Städten und die Vergehen gegen den guten Geschmack. Mein Kampf gegen den Klerikalismus bestand in der Erweckung und Pflege des Verständnisses für die Erfordernisse des Körpers und Geistes, in der Popularisierung der Philosophie und Psychologie, in der Propagierung hygienischer Regeln und im Hinweis auf die Bedeutung des Sports für den Einzelnen und das gesamte Volk. Ich veröffentlichte auch zahlreiche literarische Aufsätze, in denen ich den Standpunkt des psychologischen Realismus verteidigte, indem ich vom Schriftsteller die Wahrheit und die volle 99