Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 3 (1931)
- Date
- 1931-01-01
- Page
- – (sequence 101)
- Language
- German
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sehen Volke und dessen Literatur widmeten, kann man erst seit den achtziger Jahren des vorigen Jahrhunderts sprechen. Zu dieser Zeit trat der Prager Magistratsbeamte Karl Fischer (1860—1907) publizistisch auf. Er war der Schöpfer der jungen tschechisch-jüdischen Literatur. Gerne munterte er junge Talente auf und drückte ihnen, wenn sie sich sträubten, auch gewaltsam die Feder in die Hand. Sein sehnlichster Wunsch war, wie Kakous berichtet, eine tschechisch-jüdische Literatur aus dem Boden zu stampfen, „eine jüdische Literatur, die nach böhmischem Boden duften sollte44. Zeitlebens suchte er einen tschechischen Kompert. Er fand ihn nicht, 'zweifelte aber nicht, daß er einmal geboren würde. Karl Fischer redigierte neun Jahre lang die „Ceskozidovske listy" und 22 Jahre den „Ceskozidovsky kalendär". Er selbst knüpfte in seinen Aufsätzen am liebsten an jüdische Feiertage an (Passah, Chanukah), wobei er tos niemals an Aufforderungen fehlen ließ, die Juden mögen sich dem tschechischen Volke zuwenden, das sie mit offenen Armen aufnimmt; oder er schrieb über die übrigen Vorkämpfer der tschechisch-jüdischen Bewegung, wie z. B. Dr. Josef Zalud, Sal. Freund, Dr. Aug. Stein, Jakob Scharf, Dr. Philipp Bondy u. a. Von Fischers Zeit- und Gesinnungsgenossen waren schriftstellerisch tätig: Alois Zucker (1842—1906), Professor für Straf- und internationales Recht an der Prager tschechischen Universität und Reichsratsabgeordneter der alttschechischen Partei im Wiener Parlament. Er schrieb in drei Sprachen (französisch, deutsch und tschechisch) und genoß auch außerhalb der alten österreichischen Monarchie als Gelehrter großes Ansehen. Als rechtswissenschaftlicher Schriftsteller betätigte sich Dr. Josef 1 a 1 u d (1850—1923), ein Prager Advokat und Mitglied des böhmischen Landtages. Der Dozent für Zahnheilkunde Dr. Moritz B a s t y r (1836—1925) schuf sich einen Namen durch sein Lehrbuch der Zahnheilkunde, durch das er, nach Aussage von Fachleuten, eine fühlbare Lücke« in der tschechischen medizinischen Fachliteratur ausfüllte. Dr. August Stein (* 1854), Magistratsbeamter der Stadt Prag, erwarb sich große Verdienste durch seine Arbeiten in der Assanierungsabteilung des Prager Stadtrates. Für den Band „Böhmen" in dem Konversationslexikon „Ottüv Naucny slovnik" verfaßte er den Abschnitt „J o s e f o v, die einstige Judens t a d t". Seiner Übersetzung der jüdischen Gebete aus dem Hebräischen ins Tschechische wurde schon an einer anderen Stelle Erwähnung getan. Der langjährige Redakteur der „Närodni listy" Josef Penizek zählt zu den angesehensten tschechischen Journalisten. Sein Werk „Meine Memoire n" (Z myeh pameti) besitzt großen dokumentarischen Wert. Dem Großindustriellen und Philanthropen Bohumil 97