Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 3 (1931)
- Date
- 1931-01-01
- Page
- – (sequence 100)
- Language
- German
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so vä, Josef Kopta, A. C. Nor u. a. befinden sich hier zahlreiche Übersetzungen aus der hebräischen und der Jargonliteratur (namentlich aus Perez, Schalom Asch, Scholem Alejchem), damit der jüdische Leser und die tschechische Öffentlichkeit die ostjüdischen Schriftsteller und die Schönheit und den Reichtum ihrer Werke kennen lerne. Der jüdische Kalender beschränkt sich nicht ausschließlich auf jüdische Autoren, sondern zählt auch Nichtjuden zu seinen Mitarbeitern. Es sei zum Schluß noch erwähnt, daß Is Salom (Dr. Fr. Friedmann) jährlich eine Übersicht der jüdischen Begebenheiten bringt und daß die Abbildungen, die zumeist das jüdische Leben in Palästina darstellen, sehr sorgfältig ausgeführt sind. Tschechische Schriftsteller jüdischer Herkunft. Vor einem halben Jahrhundert schlössen sich Juden nur ganz vereinzelt dem tschechischen Kulturkreis an. Der gruppen- oder massenweise Anschluß von Juden an die tschechische Kultur erfolgte erst gegen Ende des vorigen oder am Anfang dieses Jahrhunderts. Umso bemerkenswerter und bewunderungswürdiger ist es, daß die Juden der tschechischen Literatur in einer verhältnismäßig so kurzen Zeit eine stattliche Reihe von Schriftstellern gegeben haben. Ein großes Verdienst erwarben sich die jüdischen Schriftsteller um die tschechische Literatur schon dadurch, daß sie sie durch Übersetzungen ins Deutsche weitesten Leserkreisen zugänglich zu machen versuchten. Unter den Übersetzern tschechischer Poesie und Prosa finden wir zum weitaus größten Teil jüdische Namen, so z. B. Friedrich Adler (der Übersetzer Vrchlickys), Edmund G r ü n, Ernst Mandler, Franz W e r f e 1, Otto P i c k, Emil Saudek, Rudolf Fuchs, Max B r o d, Paul E i s n e r, Josef Weinberger, Reißmann, W e i ß k o p f, Eckstein, Straschnov, Reiner u. a. Otakar Bfezina sah die Sendung der Juden nebst anderem auch in der Internationalisierung der Literatur. Es wäre, so meint er, sonst nicht erklärlich, warum alle seine Übersetzer Juden wären. Aber auch als tschechische Originalschriftsteller bewährten sich die Juden recht gut. Der erste tschechisch schreibende Jude, Siegfried Kapper, war trotz seiner tschechischen Gesinnung und seiner tschechischen Publikationen doch nur Grast in der tschechischen Literatur, denn er veröffentlichte den weitaus größten Teil seiner Schriften in deutscher Sprache30). Von Juden, die in vollem Sinne des Wortes tschechische Schriftsteller waren, von solchen, die im tschechischen Kulturkreis völlig aufgingen und ihre Kraft ausschließlich dem tschechi- * 96