Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 3 (1931)
- Date
- 1931-01-01
- Page
- – (sequence 99)
- Language
- German
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hang mit der Gedankenwelt des modernen Judentums in den übrigen Ländern verloren haben, wodurch das Interesse für jüdische Kulturwerte immer mehr schwindet und das Judentum selbst an Boden verliert. Sie machten sich daher zur Aufgabe, den Rückgang des Judentums in Böhmen aufzuhalten und Beziehungen zwischen ihm und dem bewußten Judentum in anderen Ländern anzuknüpfen. So begannen sie ihren Kalender herauszugeben — zum Unterschied zu seinem Antipoden, dem „Tschechisch-jüdischen Kalender", nannten sie ihn den „Jüdischen Kalender" — in dem sie bei den Glaubensgenossen das Interesse für jüdische Kultur wecken und das nichtjüdische Publikum über die jüdische Renaissance unterrichten wollten. Demselben Zweck sollten auch noch andere Bücher dienen, die der Verein „Theodor Herzl" herauszugeben beabsichtigte. Der jüdische und der tschechisch-jüdische Kalender gehen somit ein Stück Weges gemeinsam, insofern sie nämlich jüdische Themen behandeln. Sie gehen erst dort auseinander, wo der Ceskozidovsky kalendar auf das tschechisch-jüdische und der Zidovsky kalendar auf das zionistische Geleise mündet. Es braucht freilich nicht erst erwähnt zu werden, daß beide Kalender von einem ganz verschiedenen Geist durchdrungen sind. In bezug auf äußere Form sind beide einander ähnlich. Der jüdische Kalender, der es in den neun Jahren seines Bestandes zu einer beachtenswerten literarischen Höhe brachte, besteht aus dem kalendarischen Teil und dem Almanach. Der kalendarische Teil enthält nebst dem Kalendarium auch Angaben über den synagogalen und häuslichen Ritus für Feiertage und Wochentage und ein Verzeichnis der für das Judentum wichtigen Ereignisse. Der Almanach will dem Leser durch Proben jüdischer Kunst und durch Aufsätze über jüdische Gegenstände ein Bild jüdischen Denkens und jüdischen Strebens in der Gegenwart und Vergangenheit vermitteln. Er besteht aus drei Teilen: 1. einem allgemeinen, der sich mit der jüdischen Gegenwart und Vergangenheit beschäftigt und historische, literarhistorische, philosophische, pädagogische, politische und volkswirtschaftliche Aufsätze enthält (zum Beispiel: Dr. G. S i c h e r: „D i e B i b e 1 u n d i h r V o 1 ku; Arne Noväk: „J a r o s 1 a v V r c h 1 i c k y und das Präger G h e 11 o", „Zeyers Moses"; Dr. Hans Kohn: „Henri Frank", „Otto Weininger"; Dr. F. Thieberger: „Der jüdische Erlös u n gs g e d a n k e"; Dr. F. Weltsch: „Spinozas phil os o p h i s c h e s S y s t e m" u. v. a.), 2. einem palästinensischen Teil (hier sind die Hauptmitarbeiter Erwin A r n s t e i n, Oskar Ascherm a n n und Dr. Hugo Bergmann) und 3. einem unterhaltenden Teil, bestehend aus Poesie und Prosa. Neben Originalbeiträgen von Fr. Gott 1 i e b, R. Weine r, Irma P o 1 a k o v ä, Gabriela Preis- 95