Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 3 (1931)
- Date
- 1931-01-01
- Page
- – (sequence 97)
- Language
- German
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Siedlung nach Karpathorußland übernahm Zdenek Landes die Leitung, der sie auch noch bis 'zum heutigen Tage innehat. Seine Mitarbeiter sind aus der älteren Generation neben den bereits genannten: Dr. Otto P o 1 ä k, Dr. Vlastimil K r a u s, Arnost K o 11 m a n n, Dr. Kamil K o h n, Dr. Gustav Sicher, Dr. Max B r o d, Dr. Hugo Bergmann und der Nestor unter den Zionisten Prags Filip L e b e n - hart, von der jüngeren Generation: Dr. Pacovsky, Dr. Karl Fleischman n, Dr. Fr. G «o 111 i e b, Jif i Kraus, Josef Freud, Josef Schlesinger u. a. Zu den slovakischen Mitarbeitern gehören die Herren Schlesinger und Tüchten. Die Leiterin der „Frauenbeilage" ist Frau Irma P o 11 a k. Die „Zidovske zprävy" erschienen zunächst in einem kleinen Forniat und einem Umfang von acht Seiten. Sie brachten nebst Aufsätzen jüdischen und zionistischen Inhalts „Nachrichten aus aller Welt44, Vereinsberichte, Anmerkungen und Zuschriften. Ihr Programm war: die Öffentlichkeit über die Ziele, Zwecke und die Kundgebungen des Zionismus sowohl im Inland wie auch im Ausland zu unterrichten. Unmittelbar vor dem Umsturz und auch bald nachher hatten die „Zidovske zprävy44 einen Kampf nach zwei Fronten zu führen: gegen die Prager antisemitische Publizistik (z. B. „Näroclni listy" und „Venkov") und gegen die tschechischen Juden. Mit der Errichtung der Tschechoslowakischen Republik hängt auch ein für die Judenschaft unseres Staates sehr wichtiges Ereignis zusammen. Am 22. Oktober 1918 konstituierte sich der jüdische Nationalrat und dieser überreichte am 28. Oktober 1918 dem Prager tschechischen Nationalrat, als der einzigen das tschechische Volk repräsentierenden Körperschaft, ein Memorandum (abgedruckt in den „Zidovske zprävy44 vom 7. November 1918), in dem die Errichtung des jüdischen Volksrates zur Kenntnis gebracht und nachstehende Forderungen aufgestellt werden: 1. Anerkennung der jüdischen Nationalität und der Freiheit, sich im tschechischen Staate zu ihr zu bekennen, 2. volle bürgerliche und öffentlich rechtliche Gleichberechtigung der Juden mit der übrigen Bevölkerung, 3. kulturelle Autonomie in bezug auf innere jüdische Fragen, z. B. jüdische Erziehung, Pflege der hebräischen Sprache, Beziehungen zu Palästina, Errichtung jüdischer Schulen auf moderner Grundlage, also keiner konfessionellen Schulen u. dgl., 4. Minderheitsrechte und Demokratisierung der Kultusgemeinden. Der jüdische Volksrat lenkte schließlich die Aufmerksamkeit des tschechischen Nationalrates auf das Überhandnehmen des Antisemitismus in Böhmen und ersuchte die Führer und die Presse, auf das Volk versöhnlich einzuwirken. Besonders klar geht aus den Zidovske zprävy jener Zeit die gedrückte Stimmung der Juden Böhmens und Mährens und ihre politische 93