Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 3 (1931)
- Date
- 1931-01-01
- Page
- – (sequence 94)
- Language
- German
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stecken geblieben sei. Als Ursache des Mißerfolges bezeichnet er das Schwanken der Juden zwischen Zionismus und Assimilation und die Unfähigkeit der tschechisch-jüdischen Führer, das Dilemma des modernen Juden zu lösen. Er verlangt jüdisches Bewußtsein. Wo man den assimilierten Juden dulde, werde man auch den bewußten Juden leiden, sein männliches Auftreten und seine Offenheit würden ihm mehr Freunde gewinnen als ein unmögliches Versteckspiel. Anstatt der bisherigen vier Kategorien von Juden: indifferente, nationale, orthodoxe und Trutzjuden wünscht er eine fünfte Kategorie: M o s a i s t e n aus Überzeugung. Im Juni 1907 kommt es zu der bereits erwähnten Vereinigung des „Rozvoj" mit den „Ceskozidovske listy". Der „Rozvoj" erscheint von da ab jede Woche (anstatt alle vierzehn Tage), und zwar in größerem Format und größerem Umfang (acht bis zwölf Seiten). Die Redaktion übernimmt Dr. Viktor T e y t z, als Mitarbeiter wirken Dr. V o h r y z e k, L e d a, Max Ledere r, Dr. Otakar Gr u t h, V. Luzn i c k y, Dr. St. Schulhof und Jar. T ü m a. Das Blatt steht auf einem fortschrittlichen Standpunkt und stellt sich nebst seinem bisherigen Programm als Aufgabe, seine Leser mit dem tschechischen Kultur- und politischen Leben vertraut zu (machen. Anstatt einer Einleitung schreibt Vojtech Rakous den Aufsatz „Väter und Kind e r". Er vergleicht darin die tschechisch-jüdische Bewegung mit einem Hauswesen. Der Vater (der alte Rozvoj) begibt sich ins Ausgedinge und an seine Stelle tritt der Sohn (der neue Rozvoj). Bemerkenswert sind in diesem Jahrgang die Artikel von Dr. Lubos Jeräbek „D i e A s s i m i 1 a t i o n s - frage" (in früheren Aufsätzen in den „Ceskozidovske listy" behandelte er den historischen Hintergrund dieser Frage, jetzt beschäftigt -er sich mit ihrer praktischen Lösung) und von Jaroslav Tftma „Die Juden in Mähre n". Das Blatt, das nach seiner Vereinigung mit den „Ceskozidovske listy" in der zweiten Hälfte des Jahres 1907 einen anerkennenswerten Aufschwung genommen hatte, sinkt im nächsten Jahre wieder auf sein früheres Niveau herab. Inhaltsreiche politische und kulturelle Aufsätze treten in den Hintergrund, dafür nehmen die Rubrik „Nachrichten und Bemerkungen" und der Kampf gegen den Zionismus einen großen Raum ein. Max Lederer bestreitet nahezu allein das Feuilleton. Er behandelt darin politische, literarische und Tagesfragen. Im Jahre 1909 nimmt das Blatt den Kampf gegen das Losungswort „Svüj k svemu" („Seiner zu seinem", ein gegen den jüdischen Kaufmann gerne mißbrauchtes Losungswort Palackys) auf. Die Berichte über die Tätigkeit des „Verbandes tschechischer fortschrittlicher Juden" werden mit übertriebener Ausführlichkeit erstattet. Moritz Schön- 90