Mannheim
Compact Memory

Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik · 1931-01-01 · 3 (1931) · page 93

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
Volume
3 (1931)
Date
1931-01-01
Page
– (sequence 93)
Language
German
Belongs to
journal volume
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2644300-2644305--1099-2645442
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

gepredigte und für uns so gefährliche Antisemitismus habe seinen Grund nicht in Bosheit, sondern in der Unkenntnis der Dinge. Daher sei es Aufgabe der Juden, die maßgebenden Kreise zu informieren. Die tschechisch-jüdische Wissenschaft habe dem tschechischen Volke den jüdischen Geist und die jüdische Kultur zu beleuchten und die tschechischjüdische Literatur habe Tschechen und Juden miteinander bekannt zu machen. Die Judenfrage faßt Dr. Vohryzek als religiöse Frage auf; sie bedeutet für ihn keine konfessionelle Frage, sondern vielmehr eine Frage der Weltanschauung. Dieser Einstellung wegen wurde ihm jüdischer Klerikalisimus zum Vorwurf gemacht. Es war ihm eine große Genugtuung, als er seine Ansichten von dem Berner Philosophen Dr. Stein bestätigt fand. Bestrebt, seine Leser dem Gedanken des Mosaismus näher zu bringen und sie in diesem Gedanken zu erziehen, wurde er angegriffen, denn das große Lese-Publikum war nicht gewöhnt, solche Fragen zu erörtern und wollte lieber unterhalten als belehrt werden. Er weist auf Masaryks Buch „Im Kampf um die Religion" hin, das in vielen Punkten mit dem übereinstimmt, was im „Rozvoj" über Religionsfragen gesagt wurde. Als politischer Gegner bekämpft der „Rozvoj" den Zionismus, aber er führt den Kampf viel würdiger und seriöser als die „Ceskozidovske listy". Das geht schon aus den Aufsätzen Hackenberg s „D i e Entwicklung des Zionismu s" und S c h u 1 h o f s „Der Zionismu s" hervor. Noch versöhnlicher als diese schrieb Dr. V o - h ryze k -selbst in dem Aufsatz „W i r und die Zioniste nu, in dein er zugibt, daß der Kampf gegen den Zionismus von Seiten der tschechischen Juden nicht ohne Animosität geführt wurde und daß man mehr mit Kraftausdrücken als mit Argumenten kämpfte. Diese versöhnliche Einstellung Vohryzeks und seine Zuneigung zum Territorialismus Zangwills (eine zionistische Fraktion, die sich für das Ugandaprojekt einsetzte, als die Aussicht auf die Verwirklichung des Palästinatraumes unerreichbar schien) riefen in den Reihen der tschechischen Juden Widerstand hervor und veranlaßten Max Leder er zu dem Aufsatz „Kampf -oder Friede n" und Dr. Otto B o n d y zu dem Aufsatz „Unser Verhältnis zum Zionismu s und Z a n g - will". Nachdem Dr. Vohryzek schon Ende 1906 in einem Aufsatz „Einige vom Herzen kommende W o r t e" seiner Unzufriedenheit mit der tschechisch-jüdischen Bewegung Ausdruck verliehen hatte, kommt er Anfang 1907 nochmals auf dasselbe Thema zurück. Er wirft der Bewegung vor, daß sie weder in die Breite noch in die Tiefe gewachsen, sondern durch die Schuld ihrer Mitglieder im Sumpfe 89

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.