Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 3 (1931)
- Date
- 1931-01-01
- Page
- – (sequence 92)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/2644300-2644305--1098-2645441- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Herbst 1906 Dr. Viktor T e y t z ab, der sie bis zu ihrem Eingehen führte. Die „Ceskozidovske listy", die schon im Jahre 1905 Spuren ihres Verfalles aufweisen, konnten sich auf die Dauer nicht halten und gingen im Jahre 1907 im Pardubitzer „Rozvoj" auf. Als fleißigste Mitarbeiter seien neben den bereits genannten Redakteuren Dr. Eduard Leder e r, Vojtech Bakous, Dr. Viktor V o h ryze k, Max Ledere r, ferner Dr. Otto Bond y, Dr. August S t e i n, Prof. Dr. Z u c k e r, Dr. K1 i - neberger, Dr. Stan. Schulhof, Dr. Lub. J e f a b e k, Jaroslav T ü m a, Viktor Luznicky u. a. genannt. „Rozvoj". Der „Rozvoj", das Organ der tschechisch-fortschrittlichen Juden, erschien zum ersten Mal in Pardubitz am 1. Jänner 1904. Redakteur war der Pardubitzer Arzt Dr. Viktor Vohryzek, Eigentümer und Herausgeber Leo Vohryzek. Die Zeitung umfaßte 8 Seiten und hatte außer größeren Abhandlungen folgende Rubriken: Zuschriften, Zeitschriftenrundschau (worin Nachrichten verschiedener Zeitungen und Zeitschriften über das Judentum verzeichnet waren), Literatur und Kunst, Vereinsnachrichten und schließlich das Feuilleton. Nahezu die ganze Zeitung, die gleich vom Anfang an auf einem weit höheren Niveau stand als die „Ceskozidovske listy", füllte Dr. Vohryzek selbst, nur Dr. Eduard Lederer und Max Lederer halfen ihm. Das Programm des „Rozvoj" ist so ziemlich dasselbe wie das der „Ceskozidovske listy", nur daß jener von einem frischeren Geist erfüllt ist. Er will für ein Aufleben der tschechisch-jüdischen Bewegung und für die Hebung des jüdischen Ansehens wirken. Dabei kämpft er für Freiheit und Fortschritt, die bei den meisten Parteien zum leeren Schlagwort herabgesunken waren. Viktor Vohryzek empfand nicht jenen Haß gegen den Zionismus wie seine Genossen. Schon in der zweiten Nummer seiner Zeitung schrieb er den bemerkenswerten Aufsatz „Es herrsche Frieden unter u n s" (Budiz mir mezi nämi), in dem er für ein Einvernehmen zwischen den tschechischen Juden und den Zionisten eintritt. Es gebe genug gemeinsame Interessen, wie z. B. der Kampf für Wissenschaft und Kultur, gegen Finsternis und Rückschritt. Dr. Vohryzek, der viel versöhnlicher ist als die Mitarbeiter der „Ceskozidovske listy", anerkennt gewisse Vorzüge der Zionisten, wie z. B. das offene Bekenntnis zum Judentum, wodurch sie auch auf andere Juden Einfluß nahmen, die sich bis dahin dem Judentum gegenüber ablehnend verhielten; er anerkennt ferner, daß sie die deutschen Juden in Böhmen und Mähren dem tschechischen Volke gegenüber versöhnlicher stimmten und sie über Tschechen und Tschechentum gerechter urteilen lehrten. Dr. Vohryzek eifert gegen die Uninformiertheit der tschechischen Wissenschaft in bezug auf das Judentum. Der vom Katheder herab 88