Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 3 (1931)
- Date
- 1931-01-01
- Page
- – (sequence 91)
- Language
- German
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tungen einschlagen müßte; manche Aufsätze folgen allen drei Richtlinien. Nur parteipolitische Artikel wurden, der unpolitischen Einstellung des herausgebenden Vereines entsprechend, abgelehnt. Um der tschechischen Sprache in die Synagoge Eingang zu verschaffen, wurden hebräische Gebetbücher mit tschechischen Übersetzungen herausgegeben. Um diese erwarben sich nebst Dr. August Stein auch noch I g n a z und Moritz Kraus große Verdienste. Die Schüler der tschechischen Volks-, Bürger- und Mittelschulen benötigten für den jüdischen Religionsunterricht Lehrbücher. Da half man sich zumeist mit tschechischen Übersetzungen der vorhandenen deutschen Religionsbücher. Als Originalwerke erschienen eine „Gr e >s c h i c h t e der Israeliten" von Adolf Stein, ein „Lehrbuch der Geschichte und Literatur der Juden für die 0 b e r k 1 a s - s e n c s 1. Mittelschulen44 von Räch m u t h und Weiner und ein hebräisches Lesebuch von Leopold Butte r. In neuester Zeit gab der durch seine „Z i d o v s k e b e s i d k y" bekannte und verdienstvolle Kolmer Rabbiner Dr. R. F e d e r ein nach modernen Grundsätzen verfaßtes hebräisches Lehrbuch heraus28b). „Ceskozidovskg listy". Im Jahre 1894 erschien die erste tschechischjüdische Zeitung, die „Ceskozidovske listy", in Zeitabständen von vierzehn Tagen. Sie diente der Förderung aller Bestrebungen der tschechisch-jüdischen Bewegung, verzeichnete wichtige jüdische Begebenheiten, die sich daheim oder in der Fremde zutrugen, und war bestrebt, die Angriffe des Antisemitismus in der Publizistik und im öffentlichen Leben abzuwehren. Im Jahre 1897 wurden die „Ceskozidovske listy", die sich inzwischen zu einem Wochenblatt entwickelt hatten, um eine belletristische Beilage erweitert, die Originalbeiträge tschechisch-jüdischer und auch nichtjüdischer Schriftsteller sowie Übersetzungen bedeutsamer Aufsätze über jüdische Probleme aus fremden Sprachen enthielten. In den einzelnen Jahrgängen spiegeln sich begreiflicherweise alle jene Ereignisse wider, die die jüdischen Gemüter bewegten, wie z. B. die Exzesse gegen die Juden in Böhmen und Mähren im Jahre 1897, der Polnaer Ritualmordprozeß und die Dreyfusaffäre, die Beseitigung des alten Prager Judenfriedhofes, Wahlen u. dgl. Der Kampf gegen die deutschen Judenschulen und gegen den Zionismus, zwei negative Programmpunkte der Bewegung, nehmen einen breiten Raum in der Zeitung ein. Der erste Redakteur der „Ceskozidovske listy" war Moritz Schoenb a u m, an der Spitze des Redaktionskomitees stand der bewährte Journalist Moritz Bloch. Im J. 1897 übernahm Karl Fischer die Leitung und führte sie bis zu seinem im Frühjahr 1907 erfolgten Tode. Dann war Dr. Otakar G u t h ein halbes Jahr Redakteur und ihn löste im 87