Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 3 (1931)
- Date
- 1931-01-01
- Page
- – (sequence 88)
- Language
- German
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mit Zeitungsverkauf fortbrachte, nahm sich seiner an und brachte ihn in seine Behausung, eine leerstehende Automobilgarage. Leiser Bär begann mit Zwirn zu handeln. Er ließ von seinen Landsleuten für erborgtes Geld den gesamten Zwirn aufkaufen, um ihn, bis Mangel sein werde, für teueres Geld auf den Markt zu werfen. Bevor es aber zum Verkauf des Zwirnes kam, fand Bär eine weit bessere Einnalimsquelle. Er organisierte mittels seiner Leute einen sehr einträglichen Handel mit Rubeln, wobei er österreichisches Papiergeld niemals behielt, sondern in eine Schuhfabrik, Eisenwerte, Wiener Häuser u. ä. investierte. Nach einem Jahr besaß Leiser Bär ein Bankhaus in der Kärtnerstraße. An seinem Äußeren, an seiner Wohnungs- und Kanzleieinriclitung hätte kein Mensch den Kriegsflüchtling erkannt, der vor einem Jahr aus Rawa Ruska nach Wien gekommen war. Jetzt kaufte er sich jene Dirne Marta, die ihn bei seinem Eintreffen in Wien so verhöhnt hatte. Sie gab sich freilich für eine Offiziersfrau, deren Mann in Galizien Dienst machte, aus und ließ sich von Bär aushalten. Das Wiener Geschäft genügte ihm nicht, er erweiterte es auf Budapest und Prag, und in jeder Stadt hatte er auch eine Geliebte, in Budapest eine Ilona oder Helene, in Prag eine Marie. Zu beiden fühlte er sich wegen ihrer Ähnlichkeit mit Marta hingezogen. Marta und Helene verkaufen sich ihm für Geld, Marie gibt sich ihm aus Liebe hin. — Einer Frau in einem Dorfe Mährens bringt der Briefträger drei Briefe. Ihre in der Welt zerstreuten Töchter kündigen für Ostern ihren Besuch an. Es sind Marta, Helene und Marie. Marta gibt sich für die Gesellschafterin einer Baronin aus, Helene für die Haushälterin eines alten Barons und nur Marie gibt ihren wahren Beruf an; sie ist Aufseherin in einem großen Geschäft. Sie erzählt auch, daß sie sich von Bär, den sie liebt, in gesegneten Umständen befinde. Als sie von den Schwestern hört, wie er sie hintergangen habe, stürzt sie sich in den Dorfteich und ertrinkt. Kopta wird im großen ganzen seinem Helden Leiser Bär gerecht, bis auf das Unterstreichen von dessen Erotomanie, die er gleich anderen aufs Konto der jüdischen Rasse schreibt. Er ist einer der wenigen tschechischen Schriftsteller, die den Mut haben, ihren Landsleuten die schlechte Behandlung der jüdischen Flüchtlinge aus Galizien vorzuwerfen. Die Not der Juden im Kriegsgebiet stellt er erschütternd dar. Palästinaschriften. Palästina war immer ein beliebtes Reiseziel frommer Christen. Aus Böhmen besuchten namentlich viele Priester das durch das Leben Christi geheiligte LaAd und manche von ihnen beschrieben es in mehr oder minder umfangreichen Werken. So besitzen wir aus neuerer Zeit 84