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Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik · 1931-01-01 · 3 (1931) · page 87

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Journal
Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
Volume
3 (1931)
Date
1931-01-01
Page
– (sequence 87)
Language
German
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IRI
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so verschieden gearteten Ostjuden. Als zu Kriegsbeginn große Massen galizischer Flüchtlinge in unsere Länder strömten, brachte die Bevölkerung nur zum geringsten Teil Verständnis für deren Elend auf. Sie, die den Krieg nur von weitem miterlebte, kannte nicht die seelische Pein dieser Ärmsten der Armen, die oft unter Zurücklassung ihrer ganzen Habe nur das nackte Leben retteten, sie hatte keine Ahnung von den Tragödien, die sich bei den Evakuierungen galizischer Ortschaften durch österreichisches oder russisches Militär abspielten. Und wenn dann diese nach Böhmen oder Mähren verpflanzten Flüchtlinge nicht vom Gnadenbrot leben wollten, sondern sich nach einem Geschäftchen umsahen und sich dann durch ihre kaufmännische Begabung rasch halfen, da wies man mit Fingern auf sie, im täglichen Leben, in den Zeitungen und auch in der Literatur (z. B. K o p t a s ,.M a r t a, Marie, Helen e", Ledas „Zu Kriegszeiten in einer tschechischen Garnisonu). Von den Äußerungen Havliceks, Sv. Cechs, Machars, Sokol-Tümas, Trevals über polnische Juden war schon die Rede. Es seien hier noch einige Bücher erwähnt, die sich mit dem galizischen Judentum beschäftigen: Der bekannte tschechische Pädagoge Jan Ev. Kosina (1827—1899), dessen Vater mehrere Jahre als Militärschmied in Ostgalizien (Brzezany) verbrachte, erzählt in der „Lebensbeschreibung eines alten Lehrers" (Zivot stareho kantora) über seine und seiner Eltern Beziehungen zu den dortigen Juden. Der durch seinen „Soldaten S v e j k" berühmt gewordene tschechische Humorist Jaroslav Hasek (1883—1923) versucht in zwei Erzählungen eines Buches „Fremdenführer" (Prüvodci cizincü) das polnische Judentum lächerlich zu machen. Josef Dyma behandelt in seiner Erzählung „D i e J ü d i n" (Zidovka) das bekannte Motiv, wie Eltern das Glück ihres Kindes zerstören, indem sie es zu einer Heirat gegen seinen Willen zwingen. Das bedeutendste Buch der Gegenwart, das sich mit dem galizischen Judentum beschäftigt, ist Josef Koptas Novelle „Marta, Marie, Helene". Es ist eine Satire auf gewisse polnische Juden in Wien, die im Krieg in ganz kurzer Zeit Riesenvermögen erwarben, ferner auf die Bevölkerung im Hinterlande, die einen leichtsinnigen Lebenswandel führte, während die Soldaten in den Schützengräben ihr Leben hingaben. Leiser Bär aus Rawa Ruska verlor im Krieg seine Eltern und zog, wie andere Juden des Kriegsgebietes, in die Stadt seiner Träume — nach Wien. In der Kärtnerstraße erweckte er seines Äußeren wegen Gelächter. Eine blonde Straßendirne spielte mit seinen Schläfenlöckchen und machte ihn lächerlich. Ein Glaubensbruder aus Lemberg, der sich 83

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