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Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik · 1931-01-01 · 3 (1931) · page 86

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Journal
Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
Volume
3 (1931)
Date
1931-01-01
Page
– (sequence 86)
Language
German
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IRI
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Gasthaus zur Goldenen Traube einem kleinen Angestellten ein Los. Dieser versprach ihm im Falle eines Haupttreffers 1000 Kronen Entlohnung. Der Loskäufer machte den Treffer und hielt sein Versprechen. Karneol kaufte für das Geld im selben Gasthaus ein Grundstück. Zum Kaufe veranlaßte ihn der Umstand, daß es ihm an derselben Stelle angeboten wurde, wo er das glückliche Los verkauft hatte und wo Kartenspieler beständig gewannen. Karneol ließ das Feld brach liegen, ging nach Wien und trat bei der Lederfirma Lomnitzer in Stellung ein. Nach Jahren wollte er sich selbständig machen und fuhr nach Prag, um sein Grundstück zu veräußern. Inzwischen war das Grundstück sehr wertvoll geworden, weil man entdeckt hatte, daß es vorzüglichen Sand enthalte, den die Baumeister bei der regen Bautätigkeit dringend benötigten. Der über Nacht reich gewordene Karneol gab seine Stelle bei Lomnitzer auf, blieb aber mit ihm in freundschaftlicher Verbindung. Er kaufte noch weitere Grundstücke und sein Name gewann in Prag an Ansehen. Die Heiratsvermittler gingen bei ihm ein und aus. Aber er schlug alle Partien aus, denn für ihn gab es nur ein Mädchen: die Tochter Lomnitzers, trotzdem ihr Ruf nicht der beste war. Nicht daß er sie geliebt hätte, ihn blendete der Glanz der Firma. Lomnitzer gab ihm seine Tochter nebst einer großen Mitgift und Karneol errichtete in Prag eine große Lederhandlung. — Es vergingen 16 Jahre. Karneol war ein reicher und allgemein angesehener Prager Bürger. Nichts hätte zu seinem Glück gefehlt, wenn ihn nicht — Eifersucht gequält hätte. Seine Frau betrog ihn mit dem Angestellten Piltys, der sich weder durch Geist noch durch andere Vorzüge, sondern durch seine große Vitalität und durch rohe Gewalt Frauen gefügig machte. Er verschaffte sich Eintritt in die Wohnung seines Chefs und verführte die Frau, die Tochter und das Dienstmädchen. Als einst Karneol seine Frau mit Piltys in flagranti ertappte, traf ihn der Schlag. Piltys verstand es nun, sich in den Besitz von Karneols Vermögen zu setzen. Die Tochter kam in andere Umstände, er heiratete sie, brachte das ganze Vermögen an sich und verpraßte es in ziemlich kurzer Zeit. — In diesem Roman tritt der in der tschechischen Literatur ziemlich seltene Fall ein, daß die jüdischen Elemente (Lomnitzer und Karneol) ins schönste Licht, die christlichen (Piltys und noch zwei andere Betrüger) in den Schatten gestellt werden. Polnische Juden. Unsere polnischen Glaubensgenossen erfreuen sich bekanntlich im Westen keiner besonderen Sympathien. Vermag der Christ bei uns vielfach sein Vorurteil dem heimischen Juden gegenüber nicht zu unterdrücken, wie schwer fällt ihm dies erst gegenüber dem fremden, 82

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