Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 3 (1931)
- Date
- 1931-01-01
- Page
- – (sequence 84)
- Language
- German
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Volkes nicht heran; die tobt sich an den kleinen Juden, dem Angestellten Azim oder dem Kaufmann Ripper aus, der bei der Plünderung seines Geschäftes ums Leben kommt. Die traurige Lage des tschechischen Arbeiters im deutschen Brünn der Vorkriegszeit behandelte Josef Merhaut (1863—1907) in dem Buche „Schwarze Felder44 (Cernä pole). Darin befindet sich auch eine Erzählung „Die Tragödie des kleinen Mannes44 (Tragedie maleho cloveka), in der berichtet wird, wie ein zugrundegegangener slovakischer Bauer, der nach Brünn kam, um sich eine Existenz zu schaffen, von dem Juden Schiller, der sich auf dem Lande ein ansehnliches Vermögen erwuchert hatte und nunmehr als Privatier in Brünn lebt, um die letzten Reste seiner bescheidenen Habe gebracht wird und sich unter Zurücklassung seiner Frau und dreier unversorgter Kinder das Leben nimmt. Eine böse Verleumdung des Verbandes „Alliance israelite" enthält Antal Staseks Roman „In trüben Fluten" (V temnych virech). Der Verfasser will darin glauben machen, als hätte sich dieser ungemein segensreich wirkende Verein (neben der Bekämpfung des Antisemitismus hatte er sich die Hebung des kulturellen und sozialen Niveaus der Juden in Polen und Rumänien zur Aufgabe gemacht) mit antisemitischen Großindustriellen zur Bekämpfung der Sozialdemokratie verbunden. Stasek zeigte seinen Antisemitismus auch in dem Roman „An der Sprach gr-emz e44 (Na rozhrani), wo er mehrere jüdische Agenten eines deutschen Fabrikanten im deutsch-tschechischen Grenzgebiet anführt, die nebst ihren Handelsgeschäften auch die unsauberen politischen Geschäfte ihres Brotgebers betreiben. Emil Vachek zeichnet in dem Roman „Der Herr der Welt4' (Pän sveta) den weltbeherrschenden jüdischen Kapitalisten aus Berlin, Beer (eine Art Hugo Stinnes), der die Konkurrenz der übrigen Staaten aus dem Felde schlägt und durch die Gründung der Industrie- und Handelsgesellschaft „Spron" Einfluß auf das europäische und amerikanische Wirtschaftsleben nimmt. Durch Ausbruch einer Revolution stürzt die Gesellschaft zusammen und Beer geht unter ihren Trümmern zugrunde. Die sozialistische Schriftstellerin Marie Majerovä (* 1882) gewährt dem Leser in dem Roman „Der Republikplatz" (Nämesti republiky) Einblick ins Leben und Treiben der Pariser Sozialrevolutionäre. Ethisch am höchsten stehen unter ihnen der ideal veranlagte Himmelstürmer Luka Vrsehin (eigentlich Jakob Goldschmied) aus Lodz, die Samariterin Rosita, ein Engel in Menschengestalt, und der Armenarzt Oolombo, durchwegs Juden. 80