Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 3 (1931)
- Date
- 1931-01-01
- Page
- – (sequence 83)
- Language
- German
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nachkommen, übergab ihnen den Kleinhandel und gründete ein Kleidergeschäft. Dieses blühte und Chaim wurde immer reicher. Bald genügte ihm auch dieser Erwerb nicht und er verlegte sich auf Bodenspekulation und schuf sich als weitere Einnahmsquelle ein Schnapsgeschäft. Nunmehr übersiedelte er aus seiner dürftigen Vorstadtwohnung in die Hauptstraße. Mit seinem Reichtum wuchs auch sein Ansehen. Er vergrößerte das Schnapsgeschäft durch eine Spiritusbrennerei, errichtete ein Getreidegeschäft und erhielt die Belieferung eines großen Konsumvereines. Neben seinem Geschäft versah Bauchbrenner auch öffentliche Funktionen; er wurde zum Kultusvorsteher gewählt und erwarb sich Verdienste um die Erbauung der Synagoge (im J. 1873) und Errichtung d<jr deutschen Realschule. Um sich populär zu machen, widmete er von seinem leicht erworbenen Vermögen gewisse Beträge wohltätigen Zwecken. Indessen war Bauchbrenners Tochter herangewachsen. Jaroslav Dubsky, der Sohn eines Prager Fabrikanten, bewarb sich um sie, und war sogar bereit, ihretwegen den Glauben zu wechseln, denn beide liebten einander. Aber der hochmütige Vater verweigerte sie ihm, denn er strebte mit der Tochter Höheres an. Er bekam eine große Holzlieferung für die Ostrauer Kohlengruben. Um ihr nachzukommen, kaufte er das Gut des verschuldeten Grafen Skrzinski, eines Schlachzizen, der ihn als Knabe einst mit Hunden gehetzt hatte, und holzte es rücksichtslos aus. Seine Tochter zwang er zur Heirat mit diesem verkrachten polnischen Edelmann. Vorher ließ er seinen Namen in Kaiman Erdödy und den seiner Tochter Debora in Etelka umändern. Dies war recht einfach. Er kaufte sich in der Slovakei an, wurde ungarischer Staatsbürger, so daß der Magyarisierung seines Namens nichts im Wege stand. Bauchbrenner gründete in der Slovakei eine Tuchfabrik, wurde Lieferant der ungarischen Armee und gelangte ordensgeschmückt ins ungarische Abgeordnetenhaus. Sein Glück erfuhr nur die eine Trübung, daß die unglücklich verheiratete Etelka als erstes Kind einen Krüppel zur Welt brachte. In einem anderen Ostrauer Roman, den „Halde n" (Haldy) von Anna Marie Tilschovä (* 1873), werden furchtbare Bilder aus dem Leben der Arbeiter im Kohlengebiet in den letzten drei Kriegsjahren entrollt. Der Leser schaudert vor dem durch Not und Hunger hervorgerufenen sittlichen Verfall. Während sich Arbeiterfrauen prostituieren, um ihre Kinder zu sättigen, während sie jeden Bissen Nahrung durch stundenlanges Stehen erkämpfen müssen, schwelgen die „besseren'' Kreise im Überfluß. Als deren Repräsentanten gelten im Roman der Generaldirektor der Witkowitzer Werke Max Perutz mit seiner Gemahlin Irma und der Werksdirektor Kleiner, deren Charaktere weit ansgesiponnen werden. An sie reicht freilich die Rache des erbitterten 79