Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 3 (1931)
- Date
- 1931-01-01
- Page
- – (sequence 82)
- Language
- German
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Kavaliers lebte die früher einfache Frau in größtem Luxus und genoß höchstes Liebesglück. Der durch das erste Wochenbett hervorgerufene Tod bereitete ihrem Glück ein jähes Ende. An der Bahre der Frau trauerten nunmehr zwei Männer. V. Der soziale Roman, polnische Juden, Palästina. Der Jude spielte seit jeher und spielt auch heute noch im Wirtschaftsleben der Völker eine bedeutende Rolle. Auch in Böhmen besaßen Industrie und Handel immer einen starken jüdischen Einschlag. Die tschechische Literatur konnte an dieser Erscheinung nicht vorübergehen und wies gerne auf den Gegensatz zwischen dem jüdischdeutschen Unternehmer und dem tschechischen Arbeiter hin. Auch das Motiv des strebsamen und tüchtigen jüdischen Kaufmannes findet in die tschechische Literatur Aufnahme. Eduard Baß und Vaclav Stech urteilen über ihn objektiver und freundlicher als so viele Verfasser tschechischer Dorfromane. Selten ist der Typus des jüdischen Arbeiters. Wir begegnen ihm nur ganz vereinzelt in dem sozialistischen Roman „Der Republikplatz" von Marie Majer. Der Mährisch-Ostrauer Schriftsteller Fr. Sokol-Tüma (1856—1927) schrieb den umfangreichen, von Judenhaß erfüllten Roman „I m G 1 a n z der Millionen" (V zäri milionü), der eine sehr große Verbreitung fand und gerade deshalb zur Propagierung des Antisemitismus in den breiten Schichten der tschechischen Bevölkerung stark beitrug. Der Verfasser wall darin zeigen, wie der tschechische Arbeiter in Mähr.- Ostrau von den aus Galizien massenhaft zugewanderten Juden ausgebeutet und ausgesogen wird. Diese siedeln sich in der Regel als arme Teufel in der Stadt an und bringen es durch ihr rücksichtsloses, den Strafgesetzen meist zuwiderlaufendes Vorwärtsstreben in verhältnismäßig kurzer Zeit zu beträchtlichem Vermögen und Ansehen. Den Typus eines solchen polnischen Juden zeichnet Sokol-Tüma in dem Helden des Romanes Chaim Bauchbrenner, indem er dessen raschen Aufstieg von größter Armut zu ungewöhnlichem Reichtum vor Augen führt. Chaim Bauchbrenner kam nach einer sehr wechselvollen und nicht ganz makellosen Vergangenheit als armer Mann nach Mähr.- Ostrau. Zuerst wurde er „Chapper" (Kundenfänger) in einem Kleidergeschäft, dann hausierte er als Gottscheer mit Datteln, Feigen und Zuckerwerk und schließlich errichtete er sich, nachdem er auf eine nicht ganz einwandfreie Weise einiges Geld erworben hatte, einen Gemüse- und Geflügelhandel. Er ließ Frau und Kinder aus Krakau 78