Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 3 (1931)
- Date
- 1931-01-01
- Page
- – (sequence 81)
- Language
- German
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Tereza Noväkovä (1853—1912), die Mutter des berühmten tschechischen Literarhistorikers Arne Noväk, erzählt in der Skizze „A u s meinem Geburtshaus" (Z meho rodneho domu) den traurigen Lebenslauf eines für das Tschechentum begeisterten jüdischen jungen Mannes, der mit seinem deutsch gesinnten Vater, einem Prager Arzt, in Konflikt gerät und sich das Leben nimmt. In der prächtigen Erzählung „Drei Kameraden44 (Tri kamarädi) schildert Bozena Benesovä (* 1873) das Leid eines Judenknaben, der die ersten Schritte ins Leben macht. In einem Garten pflegten zwei christliche Kinder aus guter Familie gerne mit Mardochai Kupfergrün zu spielen, ohne an »einem Judentum Anstoß zu nehmen. In der Schule aber, vor den übrigen Kameraden, schämten sie sich seiner und wiesen ihn ebenso schroff und höhnisch zurück, wie es die übrigen Kameraden taten. Die für die Jugend bestimmte Erzählung hat den Zweck, sie zu Verträglichkeit und Toleranz zu .erziehen. Dem Motiv der gemischten Ehe, das auch in der tschechischen Literatur nicht fehlt (von Jiräseks Gusti Löwit und Tills Ilonka Török war bereits die Rede), begegnen wir in Vojtech Mixas Novelle „I d a Eisner44. Wir sehen darin, wie sich das Judenmädchen ihrem jüdischen Verlobten immer mehr entfremdet und zu dem christlichen Liebhaber hinneigt. Sie glaubt, sich durch Verehelichung mit diesem aus den Fesseln des Judentums befreien zu können und glücklichere und fröhlichere Nachkommen zur Welt zu bringen denn als Gemahlin eines Juden. Eine rührende Idylle schuf Stanislav Jarkovsky (eigentlich Jifi Guth, *1861) in der Novelle „Der Weg war noch nicht abgebrochen44 (Cesta jeste nezarostla). Das Liebesband zwischen dem Studenten Paul Dubsky und Justine Kohn wurde von den Eltern des Mädchens jäh entzweigerissen. Justine wurde zu einer Vernunftehe gezwungen und auch Paul Dubsky heiratete als junger Arzt eine ungeliebte Frau, mit der er in unglücklicher Ehe lebte. Nach 20 Jahren — Justine war inzwischen Witwe geworden — trafen sie einander wieder und fühlten, daß der Weg zwischen ihnen noch nicht abgebrochen war. Paul ließ sich von seiner Frau scheiden und heiratete Justine. Schließlich sei auf die Erzählung „Und täglich wird Musik in deine Fenster klingen44 („A denne bude hrävat hudba pod tvymi okny") in dem Buche „S c h w a r z e Jäger44 von Ruzena Svobodovä (1868—1920) hingewiesen, in der das Verhältnis eines überaus sinnlich veranlagten jüdischen Gutsbesitzers (Sinnlichkeit wird in tschechischen Romanen häufig als Merkmal der jüdischen Rasse hingestellt) zu einer von ihrem Gatten vernachlässigten Förstersfrau aus den Beskiden geschildert wird. Als illegitime Gattin des jüdischen 77