Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 3 (1931)
- Date
- 1931-01-01
- Page
- – (sequence 80)
- Language
- German
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übrigen Judengestalten in Sipeks Werk sind Gutsbesitzer »oder Wirtschaftsbeamte („U nserPreuß e", „Die E x i s t e n z"). Der Dichter weist auf ihre besondere Tüchtigkeit hin. Auf Böden und in Industrien, wo Christen nichts aufzustecken vermochten und zugrunde gingen, hielten es jüdische Pächter aus und gelangten sogar zu Wohlstand. — In der Humoreske „W. ie Sigi Rosenbach heiratete" (Jak se zenil Sigi Rosenbach) erzählt Sipek, wie ein angehender Schwiegersohn seinen Schwiegervater übers Ohr hieb und zur Auszahlung einer größeren Mitgift verhielt, als dieser bezahlt hätte, wenn ihm bekannt geworden wäre, was der Bräutigam verheimlichte. Eine äußerst gelungene Figur dieser lustigen Novelle ist der Schadehen Moritz Hyschler. Der berühmte Schriftsteller Ignät Herrmann (1854), dem wir eine Beschreibung des Prager Ghettos verdanken, zeichnete in seinem Memoirenbueh „Vor 50 Jahr e n" (Pf ed 50 lety) eine in den Präger Straßen früher häufig auftauchende Figur: den nach alten Kleidern ausblickenden Hausierer, der seiner Ausrufe entsprechend „Handerle vu" genannt wurde. Der Professor für Nervenheilkunde und Romanschriftsteller Rud. Jar. Kronbauer (1864—1915), der in seinen erzählenden Werken ergreifende Bilder aus dem Leben Irrsinniger zu zeichnen pflegte, behandelt die Geschichte eines unglücklichen Judenmädchens, das doppeltes Leid zu ertragen hatte: ihren geistigen Defekt und die Verfolgungen übermütiger Gassenbuben („F euerrösc h e n", Horikvet), oder das traurige Los eines jüdischen Rabbiners und Lehrers, der ins Irrenhaus kam und sich nach seiner Entlassung als Bettler herumtrieb, bis ihn der weiße Tod (Erfrieren) von seinem unglücklichen Leben erlöste („M e t e o r"). Das Ende eines armen jüdischen Landstreichers, der von einem frömmelnden Kirchendiener und dessen Nachbarn zu Tode geprügelt wurde, weil er sich in einer eisigen Winternacht in dessen Stall schlich und aus dem Euter einer Kuh Milch trank, (Schildert Otomar Schäfer in der Erzählung „D er A p o s t e 1" (Apostol). Eine ideale Mädchengestalt zeichnet Cenek Kramolis in Hilda Toledo („D i e Jüdin H i 1 d a", Zidovka Hilda). Das Buch enthält eigentlich nichts anderes als eine Beschreibung des Kurortes Gräfenberg sowie des Lebens und Treibens der dortigen Badegesellschaft; das Romanmotiv bildet das platonische Liebesverhältnis eines älteren und verheirateten Lehrers zu einem durch hohe Intelligenz und feinen Takt gleich hervorragenden Judenmädche». Dieses hatte sich zwar seiner tschechischen Umgebung assimiliert, dabei aber sein jüdisches Bewußtsein bewahrt. 76