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Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik · 1931-01-01 · 3 (1931) · page 79

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Journal
Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
Volume
3 (1931)
Date
1931-01-01
Page
– (sequence 79)
Language
German
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IRI
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Geschäft des Ehepaares Kubasta (der Hauptpersonen des Romans) tibernahm. Durch kaufmännische Tüchtigkeit, Güte und gewinnendes Wesen erlangte Abendroth in kurzer Zeit die Sympathien der ganzen Bevölkerung. Auch wirkte er für seinen Wohnort segensreich nicht nur zu Lebzeiten, sondern auch nach dem Tode, u. zw. durch Institutionen, die auf seine Anregung und mit seiner Hilfe entstanden waren. Klostermann erklärt Sich im Roman „Späte Liebe" entschieden für die tschechisch-jüdische Assimilation. Er meint (S. 365), es wäre für das tschechische Volk von großem Vorteil, wenn sich bessere jüdische Elemente mit ihm vereinigten; ein kleiner Zusatz jüdischen Blutes könnte ihm nicht schaden und auch für die Juden wäre es, zumindest vom moralischen Standpunkt aus, nützlich, wenn sie sich von ihrer starren Exklusivität freimachten und mit dem tschechischen Volke zu einem Ganzen vereinigten. Den jüdischen Nationalismus will er nicht anerkennen, den Zionismus, dessen edle Ziele er nicht verkennt, hält er für eine Utopie. Er ist überzeugt, daß die jüdische Minorität, wenn auch nicht in einer, so vielleicht in zwei Generationen im tschechischen Volke aufgehen wird. Eine ganze Menge jüdischer Gestalten finden wir in den Erzählungen Karl Sipeks (Pseudonym für Josef Peska, 1855—1923), der ebenso wie sein Vorbild Ignät Herrmann die Motive gerne aus dem Milieu des Prager Spießbürgertums wählte, aber auch das Landleben zu behandeln liebte. So zeichnet er in dem Arzt Dr. Wasserlau (,,E rinner ungen an die Gifthütt eu, Vzpommka na Jedovou chysi) einen ungemein gütigen alten Herrn. Den eigentlichen Inhalt der Erzählung bildet dessen Bericht über das Leben und Treiben der Prager Mediziner in der „Gifthütte". — Das Schicksal zweier Mitschüler aus der Volksschule, des Gassenbuben Zavoranda und des Judenknaben Moritz Kohlmann, enthält Sipeks Novelle „D i e Tauf e" (Kreist). Kohlmann, Zögling einer Prager Volksschule, hatte von seinen christlichen Mitschülern, namentlich von Zavoranda, viel zu leiden. Dieser hatte ihn einst beim Wasserkasten auf dem Wenzelsplatz „getauft", was dem jüdischen Knaben seelisch sehr nahe ging und ihn auch aufs Krankenlager warf. Es vergingen Jahre, ihre Wege gingen auseinander, aber beide wurden Kaufleute; nur daß Kohlmann für die Stellung eines Chefs vorausbestimmt war, während Zavoranda sein Leben lang Angestellter blieb. Nach Jahren bewarb sich Zavoranda bei Kohlmann um die Stelle eines Reisenden und pochte darauf, daß sie einst Mitschüler waren. Doch Ko'hlmann meinte: Erinnern sie sich, Herr Zavoranda, wie sie einst aus mir einen Christen machen wollten? Ich möchte heute aus ihnen einen Juden machen, dann ließe sich über die Stelle reden; so aber kann ich sie ihnen zu meinem großen Leidwesen nicht geben. Die 75

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