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Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik · 1931-01-01 · 3 (1931) · page 78

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Journal
Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
Volume
3 (1931)
Date
1931-01-01
Page
– (sequence 78)
Language
German
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IRI
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mütige Dorfjugend die Zielscheibe von Wurfgeschossen. Die Dorfbewohner wollten die Judenfamilie aushungern und verweigerten ihr jedwedes Nahrungsmittel. Srul mußte sich bei Nacht das Notwendigste aus dem entlegenen Städtchen holen, und da kein Ofen vorhanden war, konnten sie sich nichts Warmes zubereiten. Srul ertrug so lange geduldig alle Unbill, bis sich der Bürgermeister und der Pfarrer seiner erbarmten und ihm und den Seinen eine kleine, aber menschenwürdige Unterkunft verschafften. Langsam ließ auch, nicht ohne Einfluß des Pfarrers, die Feindschaft der Bauern nach, und Srul durfte ßicih nunmehr unter sie wagen. Er begann einen Hausierhandel. Durch Bescheidenheit und Güte überwand er das Mißtrauen seiner früheren Gegner und gewann allmählich auch ihre Sympathien. Nach einiger Zeit konnte er sich eine bessere Wohnung beschaffen und ein Geschäftchen im Orte errichten, das ihn und seine Familie gut ernährte. Da brach neues Unglück über Srul herein. Der Böhmerwald wurde von einer Ruhrepidemie heimgesucht und diese raffte auch in Sruls Wohnort viele Menschen dahin. Die verzweifelten Bewohner plünderten, von einem ortsfremden Hetzer aufgereizt, Sruls Laden und stürzten sich auch auf dessen Wohnung. Da sahen sie, daß die Epidemie auch vor dem Judenhause nicht Halt gemacht hatte, denn sie fanden beide Söhne Sruls mit dem Tode ringend. Das brachte sie zur Besinnung und sie bereuten ihre Tat. Der zugrunde gerichtete Srul fand bei Glaubensgenossen aus der Stadt Hilfe und zwischen ihm und den Bauern wurde mit der Zeit das alte freundschaftliche Verhältnis wieder hergestellt. Da ereilte ihn ein weiteres Mißgeschick. In seine schöne Tochter verliebte sich der Sohn des Bürgermeisters. Um einem Unglück vorzubeugen, suchte Srul für seine Tochter eiligst einen Gatten und er schickte sie an einem strengen Wintertag mit seiner Mutter auf den Markt, wo sie einen jungen Mann kennen lernen sollte. Auf dem Rückweg verirrten sich die beiden Frauen in einem heftigen Schneegestöber und man fand sie erst nach drei Tagen als erfrorene Leichen. Srul verkaufte, durch so viel Unglück gebrochen, sein Häuschen und zog aus dem Dorfe fort. Das Los eines armen, nur durch Kinderreichtum gesegneten Dorfrabbiners, der nach Auflösung der Judengemeinde um sein kärgliches Brot gebracht wird, schildert Klostermann in der Erzählung „D e r Matrikenführer" (Matrikäf), in der er den jüdischen Bewohnern jener Ortschaft das denkbar beste Zeugnis ausstellt. In dem Roman „Späte Liebe" (Pozdni läska) zeichnet der Dichter eine schöne Judengestalt in dem Kaufmann Simon Abendroth. Dieser, ein Prager, ließ sich seiner leidenden Frau und der kränklichen Kinder wegen in einem Städtchen im Böhmerwald nieder, wo er das 74

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