Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 3 (1931)
- Date
- 1931-01-01
- Page
- – (sequence 76)
- Language
- German
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zu bewegen. Aber gerade dadurch wurde er in seinem Judentum von neuem bestärkt. Infolge Überbürdung verschlimmerte sich sein Leiden. Die Mutter nahm ihn zu sich aufs Land und sie lebten noch einige Zeit als fromme Dorfjuden zusammen. Aber lange konnte sie ihn, trotz größter Aufopferung, nicht am Leben erhalten. Löwit nahm als deutscher Lehrer an der Bedrückung der slovakischen Bevölkerung in Göding nicht teil, ja er fühlte sich sogar zu den tschechischen Kreisen hingezogen. Das brachte ihn in Gegensatz zu seinen Vorgesetzten und zu gewissen Glaubensgenossen in dei Stadt, die ihn für einen Abtrünnigen und Sonderling hielten. Aber auch die Tschechen lehnten ihn als Juden ab. Nur die Bauern, in deren Mitte er nach der Übersiedlung zu seiner Mutter lebte, erkannten sein warm fühlendes Herz, vergalten ihm Liebe mit Gegenliebe und zeigten diese insbesondere bei seinem Leichenbegängnis. In der Umgebung von Göding spielt auch die Skizze „Unser Herr Füchsel (Näs pan Fixl) von Th. G. Masaryk.28) Unser Präsident gedenkt darin eines bei der Bevölkerung beliebten Hausierers und eines jüdischen Mittelschülers von der Auspitzer Realschule, der ihn vom Antisemitismus heilte. So wie Südböhmen in Jos. Holecek, die Slovakei in Herben und Alois Mrstik ihren Chronisten gefunden hatten, so fand ihn der Böhmerwald in Karl Klostermann (1848—1923). Nur daß dieser edle Mensch, doc in den meisten seiner Schriften die Not und das Elend der armen Böhmerwaldbewohner aus der Umgebung von Schüttenhofen und HorazcTowitz schildert, zum Unterschied von den übrigen Schriftstellern die Juden von seiner Liebe nicht ausschloß. An einer Stelle seiner Schriften („Der weiße Samum", Ges. Werke VI. S. XV.) erklärt er seine Stellungnahme zum Judentum, indem er sagt: „Verachte die Juden nicht und setze sie nicht herab, sondern bewundere ihre Kraft, die sie bestehen und wachsen ließ trotz der Ungunst vieler Jahrhunderte, trotz ihrer Zerstreuung unter so viele Völker! Liebe deine Brüder, so wie sie (die Juden) einander gegenseitig lieben und unterstützen!" Klostermar.n zeigt in seinen Schriften eine seltene Vertrautheit mit jüdischen Verhältnissen und eine glänzende Beherrschung des jüdischen Jargons. In dem Roman „Menschliche Gerechtigkeit" (Spravedlnost lidskä) läßt er mit Ausnahme des ehrlichen Viehhändlers Lippmann, der sich eines allgemeinen Vertrauens erfreut, sodaß man sich seines Rates beim Vieheinkauf gerne bedient, und des gütigen Moritz Veilchenbaum keine Juden auftreten. Eine umso größere Rolle spielen die Antisemiten, und der ganze Roman ist eine Persiflage auf den Antisemitismus. Der Autor legt dem Gerbermeister Cibuläk, der sein Gewerbe vernachlässigt und seinen jüdischen Konkurrenten die Schuld an dem 72