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Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik · 1931-01-01 · 3 (1931) · page 75

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Journal
Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
Volume
3 (1931)
Date
1931-01-01
Page
– (sequence 75)
Language
German
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IRI
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den übrigen Bauernmädchen an, beteiligte sich an ihren Vergnügungen wie Kunkelschmaus und Federnscthleißen (prästky a dracky) und besuchte sogar einmal eine Tanzmusik im Wirtshaus. Durch ihr schönes Äußere und durch ihr liebenswürdiges Wesen gewann sie die Herzen aller Dorfleute, auch des Ortspfarrers. Da verliebte sich Gusti Löwit in den Uhrmacher Kaiina, einen braven und angesehenen jungen Mann, der eben aus Prag zurückgekommen war, um sich in der Heimat zu etablieren, und fand Gegenliebe. Jakob Löwit wollte begreiflicherweise in eine Verbindung seiner Schwester mit einem Christen nicht einwilligen und hinderte diese an den Zusammenkünften mit ihrem Geliebten. Um sie von Kaiina ganz loszureißen, wollte er sie zu seiner Tante nach Neustadt schicken, doch floh Gusti mit Hilfe des Pfarrers. Sie hielt sich längere Zeit in der Bousiner Pfarre verborgen, nahm dort die Taufe und heiratete Kaiina. Jakob aber verließ Podoli für immer. Moderner, gebildeter und sympathischer als Jakob Löwit ist sein Namensvetter Ismael Löwit aus der gleichnamigen Novelle27) der Gabriela Preissovä (geb. 1862). Ismael Löwit verbringt zwar seine Studienzeit in Brünn und Graz, um sich dann als Bürgerschullehrer in Göding niederzulassen, aber gehört dennoch als Sohn einer in einem Dorfe bei Göding wohnenden Hausiererin in den Rahmen unserer Betrachtung. Er brachte sich als Hofmeister einer christlichen, zuerst in Brünn, dann in Graz wohnhaften Beamtenfamilie fort und wurde von allen Familienmitgliedern sehr geschätzt. Freilich, die Hand der Haustochter, um die er gerne angehalten hätte, blieb ihm versagt, auch dann, als der Hof rat starb und die Familie in ärmlichen Verhältnissen zurückblieb. Ismael Löwit hätte sich leichten Herzens taufen lassen, denn die Mystik des katholischen Glaubens hatte ihn schon längst angezogen (er hatte über seinem Schreibtisch die Sixtinische Madonna angebracht, wohnte gerne dem Gottesdienste in einer Kirche bei und ruhte bei seinen Spaziergängen in Feld und Flur besonders gerne bei einsamen Kreuzen aus) und sein jüdisches Bewußtsein, das er vom Hause mitgebracht hatte, war in der Fremde abgeschwächt worden. Er erkrankte schwer und die berechnende Tochter seiner jüdischen Hauswirtin, Rosa Porges, nahm sich seiner an und pflegte ihn gesund. Von der Krankheit genesen, bekam er solches Heimweh, daß er sein Studium abbrach und sich mit einer Bürgerschullehrerstelle in seiner Heimat begnügte. Ros«a Porges nahm er als Gattin mit. Aber sie erwies sich seiner unwürdig. Sie war putz- und vergnügungssüchtig, verbrauchte alles, was ihr kränkelnder Mann an Gehalt und durch Privatstunden verdiente, und vernachlässigte ihn und die Wirtschaft. Um in gewisse Kreise Eingang zu finden, versuchte sie ihren Mann zur Taufe 71

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